Westfalen-Lippe

Ein Abend nur für den Nachwuchs

Berichte vom Weg in die eigene Niederlassung, Raum für alle drängenden Fragen, eine entspannte Atmosphäre für den Erfahrungsaustausch: Das zeichnet die Nachwuchsinitiative des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe aus. Die Botschaft im dritten Jahr war deutlich.

Münster. „Man schläft nicht in der Praxis, man hat ein Wochenende, ein Leben außerhalb der Sprechstunden – ich habe während meiner Weiterbildung sogar ein Haus gebaut", erzählt Michael Nickertz mit einem Lachen. Vor rund 50 Medizinstudierenden, Ärzten in Weiterbildung und einem Dutzend Praxischefs und Berufspolitiker hat der junge Hausarzt bei der Nachwuchsinitiative Allgemeinmedizin am Donnerstagabend (8. März) von seinem Weg in die Niederlassung berichtet. Vom Hausärzteverband Westfalen-Lippe habe er auf diesem stets „Rückendeckung" bekommen. Und heute? In Kamen ist Nickertz sein eigener Chef, was „viel Arbeit macht – aber auch unheimlich viel Spaß macht und spannend ist".

Es ist genau dieses „heiß machen auf die Allgemeinmedizin", das Daniela Thamm vom Hausärzteverband Westfalen-Lippe in ihrer Begrüßung mit einem Grinsen als Ziel der Nachwuchsinitiative nennt. Passend dazu gibt es Thermobecher als Gastgeschenke, die Möglichkeit Fragen in entspannter Runde zu stellen und ein Get Together mit Musik und spannenden Gesprächen. Bereits zum dritten Mal hat der „junge Abend" im Vorfeld des westfälisch-lippischen Hausärztetages stattgefunden. „Das Interesse wächst stetig", beobachtet Anke Richter, Vorsitzende des Landesverbandes.

Besonders freut sie sich über die bunte Mischung aus Studierenden und Weiterbildungsassistenten, die in diesem Jahr deutlich zeigt: Auch an den Universitäten scheint die Allgemeinmedizin anzukommen. Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe beteiligt sich dazu regelmäßig auch an PJ-Tagen oder Tagen der Allgemeinmedizin an den Unis der Region oder unterstützt das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin in Westfalen-Lippe.

Viele Fragen, viele Tipps 

Die ausgewogene Mischung der Besucher schlägt sich dann auch in der Bandbreite der Fragen nieder: von der Platzvergabe im Praktischen Jahr (PJ) über die Zusammenarbeit von Weiterbildungsassistent und Chef bis hin zum konkreten Arbeitspensum in der Hausarztpraxis – mit Blick auf eine mögliche eigene Niederlassung. Die Referenten Nickertz und seine Weiterbildungsassistentin Sarah Schumacher, Dr. Jens Biesenbaum, Volker Kordes als Prokurist von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank und Dr. Jan Oltrogge für den Werkzeugkasten Niederlassung des Hausärzteverbandes stehen dabei mit Rat und konkreten Tipps aus der eigenen Erfahrung zur Verfügung.

„Unsere Referenten sind nah dran an der Lebenswirklichkeit der Studierenden – sie sind größtenteils selbst junge Ärztinnen und Ärzte und teilen ihre Erfahrungen", erklärt Verbandschefin Richter das Rezept. Und die Botschaften aus der Praxis sprechen an diesem Abend eine deutliche Sprache: Die Allgemeinmedizin ist ein spannendes Feld, und auch mit Blick auf Finanzierung und Bürokratie ist der Weg in die eigene Niederlassung machbar.

"Als Hausärzte haben wir einen ganz tiefen Einblick"

Für Dr. Jens Biesenbaum, der vor einem Jahr die Praxis seines Vaters übernommen hat, ist es vor allem die Flexibilität, die ihn an der eigenen Niederlassung gereizt hat: „in Bezug auf Arbeits- und Urlaubszeiten, in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch in Bezug auf medizinische Entscheidungen", betont er.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, engagiert sich Biesenbaum mittlerweile berufspolitisch: Er ist Delegierter und Vorstandsmitglied im Bezirk Ost im Hausärzteverband Westfalen-Lippe. „Wenn man ein bestehendes System zum Positiven ändern will, muss man sich engagieren", meint er. „Als Hausärzte haben wir einen ganz tiefen Einblick in das System, das muss man nutzen und einbringen."

Werkzeugkasten sucht weitere Mitstreiter

Dabei ist das bereits vor der Facharztprüfung möglich, betont Dr. Jan Oltrogge: Für die AG Werkzeugkasten des Hausärzteverbandes würden insbesondere in Westfalen-Lippe noch Referenten gesucht, die das Konzept auf verschiedenen Veranstaltungen vorstellen möchten. „Nicht medizinische Themen kommen in der Uni oft zu kurz", erklärt Oltrogge die Motivation hinter den insgesamt 14 Modulen, die praktisches Wissen rund um Praxismanagement, Gesundheitssystem und Co vermitteln.

Besonders Spaß mache ihm das Modul „Freude mit Formularen", sagt Oltrogge: Es gebe rund 50 bis 60 Formulare, die in der Hausarztpraxis auszufüllen sind. „Sogar um das Formular schlechthin, die AU-Bescheinigung, ranken sich noch allerhand Mythen."

Kurzentschlossene: Am Samstag sind noch Plätze frei

Für Kurzentschlossene sind bei den Veranstaltungen des Werkzeugkastens Niederlassung im Rahmen des Hausärztetages am Samstag (10. März) noch Plätze frei. Die Teilnahme ist für Studenten und Ärzte in Weiterbildung kostenfrei. Von 9 bis 12.30 Uhr wird das Modul 11 „Ehrlich gutes Geld verdienen", von 14.30 bis 18 Uhr dann das Modul 8 „Freude mit Formularen und Umgang mit Bürokratie" angeboten.

Weitere Informationen unter https://hausarzt.link/hj4R2

(J. Kötter)