Werbung für Schwangerschaftsabbrüche

Streit zwischen Union und SPD geht in die nächste Runde

Geht es nach der SPD, soll das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche kippen - obwohl die Union daran festhalten will. Nun erwägt man in der CDU einen Gang nach Karlsruhe. Im Zentrum des Streits: Rechtssicherheit für Ärzte.

Berlin. Im Streit um das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche erwägt die Union im Bundestag Verfassungsklage. Sollte ein Gesetz zur Aufhebung des Verbots durchkommen, „ist zu überlegen, ob wir vor das Bundesverfassungsgericht ziehen", sagte die rechtspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel".

Wenige Tage vor der Vereidigung der neuen schwarz-roten Regierung zeigte sich auch der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Marcus Weinberg (CDU), empört. „Die SPD hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Gesetzentwurf mit Maximalforderung eingebracht, der die Union in einer ihrer Grundüberzeugungen vor den Kopf stößt", sagte er dem Magazin.

Die SPD-Fraktion hatte einen Gesetzentwurf zur Aufhebung des Strafgesetzbuch-Paragrafen 219a vorgelegt. Der Paragraf stellt Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch unter Strafe.

Kritik aus der Kirche

Winkelmeier-Becker sagte: „Ich hätte nicht gedacht, dass die neue Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles als Erstes ihren Namen unter einen Antrag setzt, mit dem der Schutz des ungeborenen Lebens vermindert werden soll."

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach sich am Samstag im bayrischen Rosenheim nach Angaben des Erzbistums München klar gegen eine Aufweichung oder Abschaffung des Verbots aus: „Abtreibung ist rechtswidrig, Werbung kann nicht infrage kommen."

Im Februar hatte der Bundestag wie berichtet bereits die Vorlagen der Linken, der Grünen und der FDP beraten. Die Linken und Grünen wollen das Werbeverbot ebenfalls abschaffen. Die FDP will nur noch grob anstößige Werbung unter Strafe stellen.

(Rechtliche) Sicherheit für Ärzte

SPD-Fraktionsvize Eva Högl hatte betont, dass es vor der Vorlage des SPD-Antrags Gespräche mit der Unionsspitze gegeben habe: „Uns ist wichtig, dass wir am Ende eine Lösung haben, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, objektiv über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, nicht mehr und nicht weniger."

Im Internet führen Abtreibungsgegner laut „Spiegel" Listen von Ärzten, die Abbrüche vornehmen. Manche Ärzte bekämen Todesdrohungen. Die Vorsitzende des Verbands pro familia, Davina Höblich, sagte dem Magazin: „Der Paragraf 219a trägt zu diesem gesellschaftlichen Klima bei - und sorgt dafür, dass immer weniger Medizinerinnen und Mediziner bereit sind, in dieser rechtlichen Grauzone zu arbeiten."

(dpa)