Rheinland-Pfalz

15.000 Euro für Niederlassung auf dem Land

Rheinland-Pfalz schreibt seinen "Masterplan" für die ambulante Versorgung fort. Der Hausärzteverband unterstützt das aktiv – mahnt aber auch: Die angestoßenen Schritte allein reichen nicht aus.

Mainz. Mit einem Paket von Maßnahmen will Rheinland-Pfalz sicherstellen, dass eine flächendeckende ärztliche Versorgung auch auf dem Land gesichert bleibt. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) stellte am Donnerstag (15. Februar) dazu eine Fortschreibung des 2007 gestarteten „Masterplans" zur Stärkung der ambulanten Versorgung vor. Sie zeigte sich zuversichtlich, „dass wir mit diesem Plan als Grundlage gut in die Zukunft starten".

Der regionale „Masterplan" umfasst konkrete Vorhaben und Förderungen, die von der ärztlichen Ausbildung über Weiterbildung und Berufsausübung bis zu lokalen Zukunftswerkstätten in 20 Projektregionen reichen.

Drei Beispiele aus 25 Einzelmaßnahmen

  • Die Förderprogramme des Landes sind mit dem Masterplan ausgeweitet worden: So können seit 1. Januar in 97 Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden Fördermittel für die Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Anspruch genommen werden. Der Fokus liegt auf Regionen, in denen in absehbarer Zeit Hausärztinnen und Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden. Allgemeinmediziner, die sich in einer der Förderregionen neu niederlassen, eine Praxis übernehmen, einen Arzt anstellen oder eine Zweigpraxis errichten, können laut Masterplan die Förderung von 15.000 Euro in Anspruch nehmen.
  • Ein Wiedereinstiegskurs für nicht berufstätige Ärztinnen und Ärzte ist in Kooperation mit der Landesärztekammer im April 2017 gestartet. Ziel des einwöchigen Kurses war, die Schwelle zu einem Wiedereintritt in das Berufsleben abzubauen. Die Wirkungen des ersten Wiedereinstiegskurses werden im ersten Halbjahr 2018 ausgewertet, heißt es nun im Masterplan. Auf Basis dieser Evaluation werde ein weiterer Wiedereinstiegskurs konzipiert und durchgeführt. „Ich freue mich, dass wir vor dem Hintergrund des sehr erfolgreichen Testlaufs eine Neuauflage des Wiedereinstiegskurses vereinbart haben", lobte Dr. Jürgen Hoffart, Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.
  • Ein neues Beratungsprojekt, das vom Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Weg gebracht wird, soll den Kommunen eine verlässliche Unterstützung bei Fragen zur Weiterentwicklung der ärztlichen Versorgung in ihrer jeweiligen Region bieten.

Zu allen Maßnahmen des insgesamt 16-seitigen Masterplans.

Hausärzteverband kündigt Kooperation an

Der Hausärzteverband werde die neuen Initiativen in der allgemeinmedizinischen Aus- und Weiterbildung eng begleiten und unterstützen, erklärte Dr. Hans-Dieter Grüninger, stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz, bei der offiziellen Fortschreibung des Masterplans am Donnerstag. „Es ist wichtig, den Studierenden die vielen positiven Facetten der Hausarztmedizin nahe zu bringen. Dies geht nur über möglichst viele praktische Erfahrungen, die bereits im Laufe des Medizinstudiums ermöglicht werden müssten", so Dr. Grüninger. Er kündigte gezielte praktische Angebote des Hausarztverbandes für Medizinstudierende in Hausarztpraxen an.

Für Landesverbandschef Dr. Burkhard Zwerenz sind jedoch auch über den Masterplan hinaus weitere Schritte nötig, mahnt er im Gespräch mit „Der Hausarzt". „Wir brauchen in Rheinland-Pfalz dringend mehr Studienplätze in der Humanmedizin", betont Zwerenz. „Dafür muss die Landesregierung jetzt auch konsequent Geld in die Hand nehmen." Der Masterplan der Landesregierung verweist hier auf den Bund: Im Rahmen der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 werde „auch zu klären sein, inwieweit der Bund die Länder unterstützen kann, um die Ausbildungskapazitäten auszuweiten".

Früher Kontakt mit dem Landarztleben

Darüber hinaus erinnert Zwerenz an die Wichtigkeit, Famulaturen und Praktisches Jahr (PJ) in die Peripherie zu bringen. „Dazu benötigen wir neue Ideen und Kooperationen", meint er. Ein Beispiel: „Sogenannte Gruppenfamulaturen oder Gruppen von PJ-lern werden von einem Konsortium von Hausarztpraxen, Kliniken und Gemeinden eingeladen und durch die abzuleistenden Zeiten begleitet." Laut Zwerenz sind hier vor allem die Kommunen gefragt, etwa um Wohnraum bereitzustellen oder Freizeitangebote zu organisieren. Zur Unterstützung müsse sowohl für die Medizinstudierenden als auch für die Praxen ein finanzieller Anreiz geschaffen werden.

In einem am Mittwoch (14. Februar) gestarteten Projekt in Baden-Württemberg etwa werden PJ-lern landesweit acht sogenannte PJmobile zur Verfügung gestellt, um in hausärztliche Lehrpraxen auf dem Land zu fahren, ohne dass Mehrkosten entstehen. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Perspektive Hausarzt und den Partnern des AOK-Hausarztvertrages – neben der AOK Baden-Württemberg sind das der Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg – sowie dem Freiburger Autohaus Gehlert.

Dezentralisierung der Ausbildung: keine populäre Idee

„Wenn wir auf dem Land erst einmal die Chance bekommen, den jungen Kollegen zu zeigen, wie befriedigend, qualitativ hochwertig und attraktiv unsere hausärztliche Arbeit ist, dann können wir sie auch begeistern für eine hausärztliche Karriere", weiß Zwerenz aus eigenen Erfahrungen.

Auch die Ausbildung der Studierenden müsse aus diesem Grund dezentralisiert werden. „Dies löst bei den universitären Stellen massiven Widerstand aus, der überwunden werden muss. An dieser Stelle muss die Politik sehr deutlich dafür einstehen, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung das höhere Gut darstellt, dem sich medizinisch-wissenschaftliche Argumente zu beugen haben."

(J. Kötter)