Influenza-Impfung

WHO und ECDC warnen vor Pandemie-Risiko

Neue Daten zeigen: In vielen Ländern Europas lassen sich immer weniger Menschen gegen Influenza impfen. Problemkinder finden sich vor allem beim Gesundheitspersonal. Experten befürchten drastische Folgen, sollte es zu einer Pandemie kommen.

Kopenhagen/Stockholm. In Europa lassen sich immer weniger Menschen gegen Influenza impfen. Bis auf einzelne Länder ist seit der Saison 2008/09 – ein Jahr vor Ausbruch Schweinegrippe-Pandemie – europaweit die Durchimpfungsrate zurückgegangen, wie neue Daten zeigen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO und die europäische Seuchenkontrollbehörde ECDC am Mittwoch (7.02.) veröffentlicht haben.

Danach waren in der Saison 2014/15 im Median nur rund 34,4 Prozent der Älteren gegen Influenza geimpft (Vaccine 2018; 36(4): 442-452). Das ist weniger als die Hälfte des von der WHO angestrebten Ziels von 75 Prozent. Fast alle der 53 europäischen WHO-Mitglieder haben Impfempfehlung für ältere Menschen, in der Regel ab 65 Jahren. Hierzulande wird die Impfung bekanntlich ab dem 60. Lebensjahr empfohlen.

In den letzten Jahren ist die Impfrate kontinuierlich gesunken. So auch in Deutschland: 2008/09 waren noch gut 59 Prozent der Älteren geimpft, 2014/15 nurmehr 37 Prozent – und Minus von absolut 22 Prozentpunkten. Das heißt jeder fünfte Ältere hierzulande lässt sich nicht (mehr) gegen Influenza impfen.

Am höchsten war die Impfrate noch in Heimen. Im Median lag sie europaweit bei 77 Prozent. Ärzte und Pflegekräfte scheinen auch nicht die besten Vorbilder zu sein: Bei ihnen ist die Impfrate mit 29,5 Prozent am niedrigsten. Bis auf Dänemark empfehlen alle europäischen Länder die Impfung für „beruflich exponierte" Personen.

Sinkende Produktionskapazitäten

„Das ist sehr besorgniserregend", sagte die Europadirektorin der WHO, Dr. Zsuzsanna Jakab am Mittwoch in Kopenhagen. Sie forderte alle europäischen Staaten eindringlich auf, „die Impfrate zu erhöhen". Nach Schätzungen der WHO sterben allein in Europa rund 44.000 Menschen an respiratorischen Erkrankungen infolge von Influenzainfekten. Ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen sind bekanntermaßen am meisten gefährdet.

Die geringe Impfrate erachten WHO und ECDC nicht nur als akutes Problem für Risikogruppen. Sie sei auch eine Gefahr „für die gesamte Bevölkerung", nämlich wenn es wieder zu einer Grippepandemie kommt. Denn auf den sinkenden saisonalen Impfstoffbedarf reagieren die Hersteller schon aus Kostengründen mit einer Reduktion ihrer Produktionskapazitäten (Vaccine
2017; 35(6): 851-852).

2003 hatten sich die WHO-Mitgliedsstaaten auf der 56. Weltgesundheitsversammlung darauf geeinigt, die Influenza-Impfrate bei älteren Menschen und Risikogruppen bis 2010 auf 75 Prozent zu steigern (WHA56.19).

 

(nös)