Hessen

Gesundheitszentrum lockt Hausarzt an

In der 10.000-Einwohner-Stadt Oberzent geht Hessen in der Gesundheitsversorgung neue Wege: Hier gibt es jetzt ein Gesundheitszentrum, an dem sich nicht nur Ärzte beteiligen.

Oberzent. Der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) hat am Montag (5. März) das erste von der Landesregierung geförderte Gesundheitszentrum eröffnet. Es liegt in der neuen Odenwald-Gemeinde Oberzent. Für Patienten ist das Zentrum eine zentrale Anlaufstelle, da sie dort Hausärzte, Spezialisten, Psychotherapeuten, verschiedene Beratungsstellen wie Deutsches Rotes Kreuz, Caritas, Arbeiterwohlfahrt sowie eine Apotheke unter einem Dach finden.

Der Staatsbeauftragte von Oberzent Egon Scheuermann freut sich, dass es mit dem Zentrum gelungen ist, "einen jungen, engagierten Hausarzt" aus Bayern zu gewinnen. Denn Daten der Kassenärztlichen Vereinigung zufolge fehlten im Sommer 2017 noch zwei Hausärzte in der Region, berichtete das Zentrum im vergangenen Juni. Die Großgemeinde Oberzent sei demnach nur zu 65 Prozent hausärztlich versorgt. Bereits im April 2017 hatte ein Psychotherapeut seinen Sitz dorthin verlegt und im November 2015 eine chirurgische Praxis mit Schwerpunkt Hüft- und Kniearthrose eröffnet.

Im Zentrum soll ein "Care-Coordinator" die Behandlung bei verschiedenen Ärzten mit dem Patienten abstimmen und die Termine vereinbaren. Wenn nötig, kann zusätzlich ein Patientencoach engagiert werden. Zudem ist eine Informations-Beratungs-Vermittlungsstelle geplant, die Bürger neutral zu ihren gesundheitlichen Fragen informiert.

Junge Ärzte arbeiten lieber im Team

Die Ärzte arbeiten nach einem integrierten Konzept, so dass "ein sinnvolles Zusammenarbeiten der an der Behandlung Beteiligten stattfinden kann", sagte Grüttner. "Solche Modelle sind die gesundheitliche Versorgung der Zukunft." Denn: "Es entstehen zunehmend komplexe Hilfebedarfe bei den älter werdenden Patienten." Zudem arbeite der Ärztenachwuchs lieber vernetzt im Team. 

Zunächst arbeiten dem Ministerium zufolge drei Mediziner in dem Zentrum, im Laufe des Jahres sollen noch fünf andere dazu kommen. Auch Physiotherapie und Osteopathie gibt es. Die Landesregierung hat das Projekt seit 2014 mit insgesamt rund 400.000 Euro unterstützt.

Im Oktober 2015 wurde die GesundheitsVersorgungsKooperation Oberzent gegründet. An dem eingetragenen Verein beteiligen sich unter anderem die Stadt Beerfelden und die Gemeinden Rothenberg, Sensbachtal und  Hesseneck. Zunächst suchte der Verein nach passenden Räumen, die er schließlich auf dem Gelände der Firma Breimer fand. 

Oberzent liegt an der Grenze zu Baden-Württemberg auf der Höhe zwischen Mannheim und Bad Mergentheim. Am 1. Januar 2018 hat sich die Stadt Beerfelden mit den Gemeinden Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal zur Stadt Oberzent zusammengeschlossen.

(jvb/dpa/lhe)