Influenza

Aus für die Dreifachimpfung

Wie erwartet hat sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der STIKO angeschlossen: In der kommenden Grippesaison sollen Ärzte ihre Patienten vierfach gegen Influenza impfen. Kritikern schenkte der G-BA-Vorsitzende aber nochmal ordentlich ein.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am Donnerstag (5. April) für die Vierfach-Impfung gegen Influenza für die kommende Grippesaison den Weg frei gemacht. Er schloss sich damit der STIKO-Empfehlung an. Für Hausärzte könnte das vor allem mehr Verordnungssicherheit bedeuten. Denn diese Saison herrschten je nach Bundesland unterschiedliche Verordnungsvorgaben, hinzu kam, dass sich durch die STIKO-Entscheidung die wissenschaftliche Grundlage mitten in der laufenden Grippesaison geändert hat.

Begleitet wurde diese Entscheidung von einer Tirade des G-BA-Vorsitzenden Prof. Josef Hecken, der Kritikern vorwarf, sich in den vergangenen Monaten darüber "ausgemüllt" zu haben, dass der GBA zu langsam arbeite und damit die aktuelle Grippesaison verschlafe. Sie hätten sich wegen ihrer "teilweise völligen Rechtsunkenntnis" für weitere Diskussionen "selbst disqualifiziert", sagte Hecken. Er bezeichnete die Berichterstattung über mangelnde Wirksamkeit von Dreifachimpfstoffen als einen "Medienhype".

Die jetzt vom G-BA auf den Weg gebrachte Entscheidung gilt für die kommende Grippesaison im Winter 2018/19. Bisher gibt es keine Festlegung dazu, ob die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Drei- oder die ebenfalls schon auf dem Markt befindlichen Vierfachimpfstoffe zahlen muss, so dass der billigere Dreifachimpfstoff die Regel ist, der aber nur einen kleineren Teil der aktuellen Grippeerreger abdeckt. Bereits im November empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts die Anwendung des Vierfachimpfstoffs, offiziell wurde dies dann im Januar.

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Dreifachimpfung deckt einige Erreger nicht ab 

Einige, aber nicht alle Krankenkassen erklärten daraufhin, ihren Versicherten wenn nötig auch die Vierfachimpfung zu erstatten, da sonst Viren, die in der aktuellen Saison für rund die Hälfte der Infektionen sorgten, nicht abgedeckt wären. Die jetzt vom G-BA verabschiedete Entscheidung, betonte Josef Hecken nach der Sitzung, habe damit aber nichts zu tun: Sie bezog sich, "anders als auch vielfach öffentlich gemutmaßt, nicht auf die Impfsaison 2017/2018, sondern auf die kommende".

Dass Kritiker medial den Eindruck erweckt hätten, der G-BA hätte mit einer schnelleren Entscheidung auf die Erkrankungen der laufenden Saison Einfluss nehmen können, sei schlicht falsch. "Selbst wenn wir vor vier Wochen einen Beschluss gefasst hätten, hätten wir jetzt noch keinen Wirkstoff", sagte Hecken. Die WHO habe erst Ende Februar die nötige Impfstoffmixtur vorgelegt, "und Fakt ist, dass die Produktion mehrere Monate dauern wird". Für die vergangene Impfsaison habe es "keine Präferenz" für einen Vierfachimpfstoff gegeben, betonte Hecken. STIKO- und WHO-Vorgaben dafür wurden analog zum jetzigen Verfahren Anfang des zurückliegenden Jahres formuliert.

Hecken: Dieses Jahr fiel die Entscheidung sogar besonders schnell

Josef Hecken prophezeite, dass es in der kommenden Saison erneut Vorwürfe gegen den G-BA geben werde. Dann nämlich, wenn die STIKO im Winter ihre Impfstoff-Empfehlungen für die Saison 2019/20 aussprechen werde und diese Impfstoffe 2018/19 noch nicht durch den G-BA in die GKV-Erstattung gebracht würden. Besonders "ärgerlich" sei, dass man in diesem Jahr sogar besonders schnell gewesen sei. Denn die STIKO habe ihre Empfehlung für die nächste Saison früher als in den Vorjahren ausgesprochen, um mehr Zeit für die Produktion des Impfstoffes zu ermöglichen. Für diesen pragmatischen Ansatz "haben wir dann Dresche bekommen", beschwerte sich Hecken.

(T. Trappe)