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"Das gesamte Praxisteam sollte einbezogen werden"

Ilona Hüning ist VERAH® und hat in ihrer Bachelorthesis Chancen der Delegation untersucht. Wir haben mit ihr über Tipps für die Delegation im Praxisalltag gesprochen.

In Ihrer Abschlussarbeit haben Sie analysiert, ob und wie die hausärztliche Versorgung mittels Delegation an eine VERAH® optimiert werden kann. Ihr Ergebnis?

Ilona Hüning: Durch leitfadengestützte Experteninterviews konnte ich zeigen, dass die VERAH® vor allem bei der Betreuung multimorbider, immobiler Patienten im eigenen Zuhause, in Alten- oder Pflegeheimen in einer fürsorglichen und unverzichtbaren Rolle agiert. Dabei geht es um eine "koordinierende Funktion" am Übergang zu Pflegediensten, Sanitätshäusern und Krankenhäusern. Eine "beratende Funktion" hat sie bei sozial-medizinischem Informationsbedarf, hierfür nutzt sie erlerntes Wissen aus dem SGB V und SBG XI. Darüber hinaus ist die VERAH® in "selektierender Funktion" tätig, wenn sie etwa den Erstkontakt zum Patienten bildet oder das weitere Vorgehen mit dem Arzt bespricht. Insgesamt lässt sich sagen, dass so die Versorgung immobiler Patienten verbessert und nicht zuletzt die Arbeitsdichte des Arztes reduziert werden kann.

Wie kann das konkret im Praxisalltag aussehen? Können Sie aus Ihrer Arbeit Tipps identifizieren?

Diese Frage lässt sich sicherlich nicht allgemeingültig beantworten und muss sehr individuell betrachtet werden. Im Rahmen meiner Arbeit konnte jedoch die Notwendigkeit einer ausreichenden Kommunikation und Koordination klar herausgearbeitet werden – etwa wenn es um die Aufgabenverteilung im Team geht. Delegation scheint leichter implementierbar, wenn das gesamte Praxisteam einbezogen wird und Tätigkeits- und Zuständigkeitsbereiche sowie die Aufgabenverteilungen klar definiert werden.

Viele Praxen arbeiten noch nicht mit weiterqualifizierten MFA. Woran liegt das?

Im Rahmen meiner Arbeit hat sich gezeigt, dass es von zahlreichen Einflussfaktoren abhängig ist, ob Delegation in der Praxis gelingt. Hier scheint es hemmende Einflussfaktoren in Form von "Nicht loslassen können" seitens der Ärzte oder auch Umsetzungsprobleme innerhalb der Praxisstrukturen zu geben. Konkrete Gründe für die mangelnde Delegation in einigen Praxen konnten nicht erfasst werden. Gründe können mangelndes Wissen zur Delegation und VERAH®-Weiterbildung sowohl seitens der Ärzteschaft als auch der MFA sein, aber auch Unsicherheit oder gar Angst in Bezug auf juristische und haftungsrechtliche Fragen. Hier ist weitere Forschung nötig.

Lesen Sie dazu auch: Die rechte Hand des Hausarztes

(Jana Kötter)

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