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Hausärzteverband Niedersachsen fordert Regress-Ende

"Wir brauchen Wertschätzung und endlich Rechtssicherheit", betonte Dr. Matthias Berndt, Vorsitzender des Hausärzteverbands Niedersachsen, Anfang Mai beim 34. Seminarkongress in Lüneburg. Diesen richten jährlich die Hausärzteverbände Niedersachsen, Braunschweig, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam aus. Aktuelles Thema in diesem Jahr: Regresse. Denn zuvor hatte die Prüfstelle von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) viele Hausärzte in Niedersachsen angeschrieben. Der Vorwurf: Sie sollen Allergikern Antihistaminika im Frühjahr 2016 unwirtschaftlich verschrieben haben. Erst 2017 wurden rund 3.000 Hausärzten im Land Regresse angedroht, weil sie 2014 die Chroniker-Ziffern nach EBM falsch abgerechnet haben sollen. Dies konnte der Hausärzteverband aber in Verhandlungen mit den Kassen teilweise abwenden.

Für Berndt und die Delegierten des Verbands steht fest, dass die jahrelange Ungewissheit junge Allgemeinmediziner von einer Niederlassung abschreckt. "Hier darf es keine Grauzone wie bei der OTC-Ausnahmeliste geben, die dazu führt, dass zwei Jahre später – wie aktuell durch die AOK Niedersachsen – Prüfaufträge und potenzielle Regresse ausgesprochen werden", erklärte Berndt. "Solche Regresse müssen abgeschafft werden!" Ein Honorarbescheid müsse drei Monate nach Ende des Quartals abgeschlossen und damit "rechtssicher" sein.

Zwar habe der Gesetzgeber vorgegeben, dass Kassen und KVen die Richtgrößenprüfung ab 2017 regional ersetzen müssten, ergänzte Mark Barjenbruch, Vorstand der KV. In Niedersachsen wurde diese aber nur in eine Durchschnittsprüfung abgewandelt, auch hier stehe am Ende noch ein Regress.

"Die Regresse müssen fallen, um den Hausarztberuf attraktiv zu machen", stimmte Barjenbruch dem Hausärzteverband zu. Immerhin: Durch die andere Prüfsystematik seien 2017 lediglich 3,9 Prozent aller Hausärzte in Niedersachsen im roten Bereich gewesen – und von diesen werden wiederum nur die "obersten fünf Prozent" überhaupt geprüft, erklärte Dr. Jörg Amoulong von der KV.

Um jedoch die Gefahr eines Jahre später folgenden Regresses aus dem Weg zu räumen, plädiert Hausärztechef Berndt dafür, dass Kassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung oder der Gemeinsame Bundesausschuss eine Positiv- oder Negativliste von Arzneimitteln erstellen sollen, die Patienten einsehen können. Auch für Heilmittel brauche es eine solche Liste, ergänzte Vorstandskollege Dr. Uwe Lankenfeld. Positivlisten schafften darüber hinaus einen besseren Einblick für Patienten, sagte Claudia Schröder aus dem Landesgesundheitsministerium. Auch die steigenden Ansprüche im Gesundheitswesen könnten so adressiert werden.

Mehr zum Kongress unter: hausarzt.link/44bFa

(Johanna Dielmann-von Berg)

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