Editorial

Digitalisierung ja – aber mit Sinn!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es gibt ja wenige Themen, bei denen sich die gesamte Ärzteschaft einig ist – von einer Sache sind aber mittlerweile alle gleich genervt: die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI). Das Hin und Her dauert schon viel zu lang. Zuallererst setzte der Deal zwischen KBV und GKV-Spitzenverband die Ärzte unter Druck, denn es blieb offen, ob man bei einer zeitversetzten Anbindung auf den Kosten sitzen bleiben würde. Sollte man also gleich kaufen oder lieber abwarten – und würden alle Kosten gedeckt? Schließlich konnte nur ein Anbieter liefern. Die KBV riet zum Abwarten und kündigte an, nachverhandeln zu wollen …

In dem Wirrwarr aus Versprechungen und Verzögerungen ist bisher nicht wirklich ersichtlich geworden, welche Schritte wann getan werden müssen – und wenn Praxisinhaber dann noch Sorge haben müssen, auf den Kosten sitzenzubleiben oder gar Strafzahlungen wegen einer zu späten Anbindung zu riskieren, dann fragt man sich schon: Wie kann das eigentlich sein? Vor allem, weil der Gesetzgeber im E-Health-Gesetz klar festgelegt hat, dass die Kosten für Anbindung und laufenden Betrieb von den Krankenkassen übernommen werden müssen.

Inzwischen regt sich am Markt etwas. Die conhIT als die wichtigste Messe für Gesundheits-IT hat zumindest in Sachen Anbieterauswahl für Neuigkeiten gesorgt. Dort stellten die Hersteller ihre neuen Konnektormodelle vor und lieferten erste Antworten auf so manche drängende Frage: Wer tritt wann auf den Markt? Lohnt ein Kauf der einzelnen Geräte oder setzt man doch lieber auf ein Paket? Wie sieht es mit der Kompatibilität aus? Schließlich fehlt es uns Ärzten nicht an Entscheidungsfreudigkeit, sondern schlicht an Informationen. Hier sind wir jetzt zumindest ein wenig schlauer. Offen bleibt allerdings die Frage, ob die abgestufte Kostenerstattung auch die Preise decken wird, die mit einem größeren Angebot einhergehen sollen.

Ärgerlich ist es, wenn uns Ärzten nach all dieser Unklarheit "Digitalisierungsmüdigkeit" vorgeworfen wird. Das ist schlichtweg falsch. Auch wir leben im 21. Jahrhundert. Das hat sich auch wieder bei unserer diesjährigen Frühjahrstagung auf Sylt gezeigt. Neben Diskussionen rund um die Digitalisierung in der Hausarztpraxis wurde dort unter anderem ein Antrag zum Thema E-Patientenakte einstimmig angenommen. Dabei haben wir noch einmal unterstrichen, dass wir aktiv an der Entwicklung beteiligt werden wollen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Belange und Interessen der Hausärztinnen und Hausärzte nicht auf der Strecke bleiben und das Ganze nicht wieder meilenweit an der Praxisrealität vorbeigeplant wird – denn letztlich muss das Ergebnis der E-Patientenakte sein, dass sie die Versorgung der Patienten verbessert und für Entlastung in der Praxis sorgt!

Mit kollegialen Grüßen

Ulrich Weigeldt

Bundesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband e.V.

(U. Weigeldt)

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