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Höhere Sprechstundenzahl stößt bei Hausärzten auf Kritik

Die geplante Erhöhung der Sprechstundenzeit um fünf Stunden pro Woche stößt unter Hausärzten auf deutliche Ablehnung. Darüber hinaus sorgt etwa die Frage, ob Hausbesuche bei den von Union und SPD anvisierten 25 Sprechstunden pro Woche inkludiert werden oder nicht, für Verunsicherung. Das zeigt eine Umfrage von "Der Hausarzt", an der sich im April insgesamt 118 Leser per Fax oder Online-Formular beteiligt haben. Das Gros der Antworten zeigt dabei deutliche Kritik: Von "Unsinn, da der Ärztemangel nicht behoben wird" über "Frechheit" und "Lachnummer" bis zu klarer Kritik am Mehr an Bürokratie: "Würde die immer umfangreichere Bürokratie reduziert, wäre deutlich mehr Zeit für den direkten Patientenkontakt". Allein sechs der optional abzugebenden Kommentare enthielten eine positive Bewertung.

Union und SPD wollen das Mindestsprechstundenangebot von 20 auf 25 Stunden pro Woche ausweiten, um den Zugang zur Versorgung für gesetzlich Versicherte zu verbessern. Das ist im Koalitionsvertrag festgehalten (Hausarzt 4). Der Deutsche Hausärzteverband hat dies scharf kritisiert. Die Erhöhung der Sprechstundenzahl "wäre ein unnötiges bürokratisches Regularium und ein negatives Signal für den hausärztlichen Nachwuchs", betont Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt. "Dies würde die Attraktivität unseres Berufs nicht erhöhen, im Gegenteil."

Ein Leser merkt dabei an, dass die Sprechstundenzeit "sowieso fast immer überschritten" werde. Die Zahlen im quantitativen eil der Umfrage belegen das: Nur 15 Prozent der 118 Teilnehmer haben angegeben, genau das vorgeschriebene Minimum von 20 Stunden pro Woche anzubieten. Der deutlich überwiegende Teil (40 Prozent) hingegen ist ohnehin schon mehr als 30 Stunden pro Woche für gesetzlich versicherte Patienten da. Die KV Hessen nannte jüngst fachgruppenübergreifend gar eine durchschnittliche ärztliche Arbeitszeit von 50,3 Stunden pro Woche.

Ein im qualitativen Teil der Umfrage mehrfach geäußertes Argument erinnert daran, dass die Sprechstundenzeit "nicht gleich Arbeitszeit ist". Zusätzlich fallen für Praxisinhaber nicht zuletzt Versicherungs- und Patientenanfragen, Befund-/Laborauswertungen oder die Implementierung der Telematik an, betont ein Leser von "Der Hausarzt". "Wann sollen dann noch Hausbesuche gemacht werden?"

Tatsächlich äußern die Umfrageteilnehmer Unsicherheit in Bezug auf die Hausbesuche. Im Bundesmantelvertrag für Ärzte heißt es bislang, der Versorgungsauftrag sei dadurch zu erfüllen, "dass der Vertragsarzt an seinem Vertragsarztsitz persönlich mindestens 20 Stunden wöchentlich in Form von Sprechstunden zur Verfügung steht".

Diese Vorgabe beziehe sich allein auf Sprechstunden, betont Ann Marini, Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes, auf Anfrage von "Der Hausarzt". "In dieser Logik bleibend, würde auch eine Verschiebung von 20 auf 25 Stunden pro Woche weiterhin für Sprechstunden ohne Hausbesuche gelten."

(J. Kötter)

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