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Hausärzteverband Baden-Württemberg: Kontinuität in stürmischen Zeiten

Baden-Württemberg hat gewählt: Beim Hausärztetag am 16. März in Stuttgart haben die Delegierten den Vorstand des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg in allen Ämtern bestätigt. Der erste Vorsitzende Dr. Berthold Dietsche und sein Stellvertreter Dr. Frank-Dieter Braun setzen die Segel für ihre neue Amtszeit. Sie wollen weiter daran arbeiten, den Hausarztberuf für Medizinstudierende noch attraktiver zu machen (s. Interview). Dazu sei auch Hilfe der Politiker nötig, sagt Dietsche und fordert von der Regierung, entsprechende Reformen auf den Weg zu bringen.

Darüber hinaus haben sich die Delegierten dafür ausgesprochen:

  • hausärztliche Leistungen nicht von medizinischen Hilfsberufen substituieren zu lassen,

  • die Landarztquote nicht umzusetzen,

  • die Anerkennung von Fehlzeiten in der Weiterbildung einheitlich zu regeln und

  • die Ziffernkränze in den HZV-Verträgen in Baden-Württemberg zu vereinheitlichen.

Was sind die dringlichsten Aufgaben der nächsten vier Jahre?

Dr. Frank-Dieter Braun: Unser Problem ist: Mehr als ein Drittel der Hausärzte in Baden-Württemberg ist älter als 60 Jahre und viele Hausarztpraxen finden keine Nachfolger. Fakt ist, dass es die hausärztliche Versorgung, so wie wir sie über viele Jahre gelebt haben, in Zukunft nicht mehr geben wird. Wir müssen also Wege finden, die neuen Bedürfnisse der jungen Ärztegeneration zu erfüllen. Der Trend geht zu Anstellungsverhältnissen, Work-Life-Balance spielt eine entscheidende Rolle. Wir brauchen mehr Medizinstudierende, die sich für die Weiterbildung in Allgemeinmedizin entscheiden, und müssen herausstellen, dass das einer der schönsten Berufe überhaupt ist.

Wie stellen Sie sich der Nachwuchsgewinnung und der Patientenversorgung der Zukunft?

Dr. Berthold Dietsche: Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) ist und bleibt für uns eine ganz wichtige Stellschraube. Sie hilft uns, den Hausarztberuf wieder attraktiver zu machen und gleichzeitig durch effektive Patientensteuerung eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu gewährleisten. In Baden-Württemberg sind wir schon sehr weit gekommen. Jetzt brauchen wir aber mehr Unterstützung von politischer Seite. Hier ist die neue Bundesregierung gefragt, mit echten Reformen zu überzeugen. Terminvergabestellen oder eine Erhöhung des Mindestsprechstundenangebots helfen uns mit dem eigentlichen Problem nicht weiter.

(J. Rettig)

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