Hausarzt Medizin

Kardiovaskuläre Prävention: Absetzen der Arzneien oft schwer

Bei niedrigem kardiovaskulärem Risiko ist eine medikamentöse Prävention nach aktuellen Leitlinien nicht indiziert. In den Niederlanden wurde in einer randomisierten Studie versucht, bei Hausarztpatienten, die bei einem niedrigen kardiovaskulären Risiko dennoch Antihypertensiva oder Cholesterinsenker einnahmen, diese Medikamente wieder abzusetzen. Trotz dem begeisternden Studienakronym "ECSTATIC" waren die Ergebnisse eher ernüchternd.

Nur 65 Prozent in der Interventionsgruppe wollten ihre Medikamente absetzen und nur 27 Prozent nahmen sie am Ende des Studienzeitraums nach zwei Jahren weiterhin nicht ein. Durch die vermehrten Arztbesuche in der Gruppe der Absetzer waren die Kosten trotz niedrigerer Medikationskosten genauso hoch. Blutdruck, Cholesterin verschlechterten sich bei denen, die die Medikamente über zwei Jahre hinweg nicht einnahmen, etwas gegenüber der Kontrollgruppe (systolischer Blutdruck +10mmHg, Cholesterin +13 mg/dl), das kardiovaskuläre Risiko nahm von fünfauf siebenProzent (Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden) nur geringfügig zu.

Fazit: In dieser Studie war es schwierig, Patienten davon zu überzeugen, präventive Medikamente bei niedrigem kardiovaskulärem Risiko wieder abzusetzen. Wenn Medikamente abgesetzt wurden, verschlechterte sich das kardiovaskuläre Risiko über zwei Jahre nur geringfügig. Die Autoren empfehlen, das Vorgehen nicht bei allen, sondern nur bei dazu motivierten Patienten umzusetzen.

Luymes CH, Poortvliet RKE, Geloven N, de Waal MWM, Drewes YM, Blom JW et al. Deprescribing preventive cardiovascular medication in patients with predicted low cardiovascular disease risk in general practice – the ECSTATIC study: a cluster randomised non-inferiority trial BMC Medicine (2018) 16:5 DOI 10.1186/s12916-017-0988-0

(S. Gehrke-Beck)

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