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Engagierter Berufspolitiker, hochgeschätzter Kollege, Vorbild für die Zukunft

Zum Tod von Dr. Diethard Sturm erinnern seineKollegen aus dem Deutschen Hausärzteverband an ein Leben, das von Engagement für die Hausarztmedizin geprägt war. Die Trauer sitzt tief.

Am 24. November verstarb nach jahrelanger Krankheit in seinem Haus in Chemnitz im Kreise der Familie unser Freund Dr. Diethard Sturm. Diethard hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen herausragenden Hausarzt und einen engagierten Berufspolitiker, sondern auch einen hochgeschätzten Kollegen, dessen Rat fehlen wird. Wir trauern voller Anteilnahme mit seiner Familie.

Nach dem Abitur arbeitete Diethard, geboren 1944 in Dresden, in einem praktischen Jahr im Stationsdienst eines Krankenhauses und studierte dann von 1963 bis 1969 Humanmedizin in Leipzig und Dresden. Anschließend absolvierte er die in der DDR bereits eingeführte Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, die er 1975 abschloss. Bis zur Wende arbeitete er dann sowohl in staatlichen Gesundheitseinrichtungen als auch in wissenschaftlichen Projekten. 1991 ließ er sich schließlich mit der Zusatzbezeichnung Chirotherapie als Hausarzt in eigener Praxis nieder, wo er bis 2010 tätig war.

Gleich nach der Wende hat Diethard als Vorsitzender des Sächsischen Verbandes der Fachärzte für Allgemeinmedizin den Beitritt seines Landesverbandes zum Deutschen Hausärzteverband – damals noch BPA – erklärt, dessen Bundesvorstand er von 1999 bis 2007 als stellvertretender Bundesvorsitzender angehörte.

Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Ehrungen. So wurde er im November 2011 etwa zum Ehrenvorsitzenden seines Landesverbandes ernannt.

Von 1985 bis zur Wende war Diethard Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Allgemeinmedizin der DDR und Bezirksvorsitzender in Karl-Marx-Stadt. Seit 1990 ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) gewesen.

Wissen stets weitergegeben

In dieser Zeit leitete er das Forschungsprojekt "Arbeitsinhalt und Arbeitsweise bei Fachärzten für Allgemeinmedizin". Das Thema bearbeitete er nach der Wiedervereinigung weiter. Er war Gründungs- und Vorstandsmitglied des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) seit 2001 und von 2005 bis 2009 Vorsitzender des Instituts.

Seine Erfahrungen und sein Wissen brachte er bis kurz vor seinem Tode an verschiedensten Stellen ein, etwa in die ständige Projektgruppe im Bundesgesundheitsministerium zum "Nationalen Aktionsplan für Menschen mit seltenen Erkrankungen", in der er den Deutschen Hausärzteverband als dessen Patientenbeauftragter vertrat.

Diethards Fortbildungskurse auf vielen Gebieten der Allgemeinmedizin, besonders aber in der Chirotherapie, hatten bundesweit einen sehr guten Ruf und haben auch die Fortbildungsveranstaltungen des IHF und die practica in Bad Orb bereichert. Zu den weiteren Schwerpunkten gehörten die "Verordnungsgewohnheiten bei Fachärzten für Allgemeinmedizin", ein Thema über das er auch promovierte.

Einsatz für eine ethische Medizin

Diethards Fleiß, seine Kreativität, sein geradliniges und konsequentes Denken und seine Beharrlichkeit bei der Arbeit für die Sache der Hausärztinnen und Hausärzte ist uns auch für die Zukunft Ansporn, Vorbild und Ermutigung. Er hat sich bis zuletzt mit ganzer Kraft und großem Engagement für eine ethische Medizin im Sinne der Patientinnen und Patienten eingesetzt.

Außergewöhnlich ist dabei stets seine Weitsicht gewesen. So hat Diethard es geschafft, auch über sein aktives Engagement hinaus für Kontinuität und Perspektive seines Lebenswerks zu sorgen. Dass er bereits vor dem Abschied aus seinen Ämtern als Vorsitz des Sächsischen Hausärzteverbandes, als Mitglied im Bundesvorstand und als Vorsitz des IHF rechtzeitig für Nachwuchs gesorgt hat, war ein besonderes Beispiel dieses Weitblicks.

Wir werden Dr. Diethard Sturm ein ehrendes Andenken bewahren.

(I. Dänschel, U. Weigeldt, K. D. Kossow, H.-M. Mühlenfeld)

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