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Kommentar: "Urärztliche Tätigkeiten dürfen nicht ausgelagert werden"

Junge Ärzte sind vom Thema „Physician Assistant“ (PA) in besonderem Maße betroffen: Sie würden ja nicht erst in der Praxis, sondern bereits im Klinikabschnitt sehr schnell mit den PA konfrontiert werden. Im Folgenden wollen wir daher erläutern, was der PA für uns Ärzte in Weiterbildung bedeuten würde. Es geht dabei um die Frage: Kann ein PA den Assistenzarzt an der Klinik ersetzen?

Wie dieser Eindruck überhaupt entstehen konnte, zeigt ein Erfahrungsbericht einer PA in der Notaufnahme eines deutschen Krankenhauses, veröffentlicht auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants [3]. Zu ihren Aufgaben zähle unter anderem das Aufnehmen internistischer Patienten in der Notaufnahme und damit die Anamnese und die körperliche Untersuchung, wie auch die Interpretation des EKGs und gegebenenfalls notwendiger Ultraschalluntersuchungen. Auch die Veranlassung von Laboruntersuchungen und Konsilen sowie die Besprechung des Falls mit dem Oberarzt werden als Aufgaben genannt.

Sparmaßnahmen machen Physician Assistant „attraktiv“

Das sind alles urärztliche Tätigkeiten, die derzeit Assistenzärzte in der Notaufnahme übernehmen. Vielleicht würden viele nun erwidern, dass dies doch kein Problem sei, da der PA ja die Assistenzärzte bei der Stationsarbeit entlasten kann. Aber was würde das auf Dauer bedeuten?

Zum einen wäre diese „Entlastung“ eine Einladung für die kaufmännischen Leitungen der Krankenhäuser, aus Sparmaßnahmen zum günstigeren PA zu greifen. Damit könnten leicht die teureren Assistenzarztstellen eingespart werden und der Stationsarzt, der ja weiterhin die Verantwortung tragen muss, wäre dann nicht mehr für 15 bis 20, sondern für 30 bis 40 Patienten verantwortlich. Die Zeit, die ein Assistenzarzt pro Patient hat, würde sich dann halbieren. Das Pensum wäre nur zu schaffen, wenn sich der Stationsarzt auf den Befund des PA verlässt. Letzterer würde natürlich eine Schnittstelle mehr bedeuten und damit ein weiteres Risiko, (im bereits chaotischen Hin und Her des Krankenhausalltags) Informationen zu verlieren. Die Verantwortung läge trotzdem beim Arzt.

Primärer Ansprechpartner für Patienten

Ein weiterer problematischer Aspekt betrifft die Bedeutung des Arztes für seinen Patienten. Die Anamnese und die körperliche Untersuchung sind Grundpfeiler der ärztlichen Tätigkeit. Diese und andere Tätigkeiten sind wichtig, um eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen. Der Patient jedoch, dessen Arzt 40 Patienten gleichzeitig betreut, wird diesen nicht viel sehen. Wem soll der Patient sich anvertrauen?

Bisher ist der Assistenzarzt in der Klinik der primäre Ansprechpartner für die Patienten. Damit spielt er eine Schlüsselrolle in ihrer Behandlung. Wenn der Assistenzarzt also wegfallen würde, würde auch diese Funktion fehlen – stattdessen hätte man „Scheinärzte“, die nach einem dreijährigen Bachelor-Studium (das ist gerade einmal die Hälfte der Zeit, die ein Assistenzarzt studiert hat!) versuchen, ärztliche Aufgaben zu übernehmen. Das können PA, bei allem guten Willen, einfach nicht leisten.

Joana Hohlweck und Jens Lassen für das Forum Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband

Lesen Sie dazu auch: Junge Ärzte warnen vor Erstarken von "Scheinärzten"

Literatur: 3. www.pa-deutschland.de/pa-in-der-notaufnahme

(J. Hohlweck, J. Lassen)

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