Editorial

Uns auszuspielen, funktioniert nicht

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was würden Sie antworten, wenn man Sie fragt, was Ihre Arbeit als Hausarzt definiert? Wahrscheinlich würden Sie mit der Breite Ihres Faches antworten und mit Ihrer integrierenden Arbeitsweise, die körperliche und seelische Symptome, aber auch das familiäre und soziale Umfeld einbezieht.

Wir Hausärzte definieren uns – im Gegensatz zu den Gebietsfachärzten – nicht über das Fokussieren auf einzelne Krankheiten oder Organe, sondern über unseren ganzheitlichen Ansatz. Dieser ganzheitliche Ansatz und der Anspruch, der erste Ansprechpartner für unsere Patienten bei allen medizinischen Problemen zu sein, verbinden alle Hausärztinnen und Hausärzte – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Fachärzte für Allgemeinmedizin oder hausärztlich tätige Internisten handelt. Ich betone dies so explizit, weil es immer mal wieder Versuche von außen gibt, beide Gruppen gegeneinander auszuspielen. Das wird natürlich auch in Zukunft nicht funktionieren!

Ich sage ganz klar: Wir kämpfen gemeinsam für eine gute hausärztliche Versorgung für unsere Patienten! Hausärztliche Internisten und Allgemeinmediziner durchlaufen unterschiedliche Weiterbildungsgänge und setzen deshalb immer mal wieder verschiedene Schwerpunkte. Wo es Nachbesserungsbedarf gibt, müssen wir das deutlich ansprechen. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, Nachwuchs für die hausärztliche Versorgung zu begeistern und optimal auf diese Aufgabe vorzubereiten. Auch die Weiterbildung in der Inneren Medizin hat sich verändert – stärkere Spezialisierung, kürzere Liegezeiten sind die Stichworte. Deswegen sollten wir gemeinsam dafür kämpfen, dass künftige Hausärzte einen Teil ihrer Weiterbildung in der hausärztlichen Praxis verbringen, in dem Bereich, in dem sie später selbstständig arbeiten werden.

Ich bin davon überzeugt, dass zwei Jahre in der ambulanten hausärztlichen, idealerweise allgemeinmedizinischen Weiterbildung nicht nur selbstbewusstes Handeln fördern, sondern auch die Qualität der Versorgung verbessern.

Ich hielte es allerdings für den vollkommen falschen Weg, wenn es Debatten darum gäbe, wer der bessere Hausarzt für seine Patienten ist. Die gute Nachricht ist: Diese Diskussion wird eher auf der berufspolitischen Bühne und an einigen Universitäten geführt. Bei den Kolleginnen und Kollegen vor Ort ist das kein Thema. Man schätzt den Kollegen, der gute Arbeit leistet, und ärgert sich auch mal über den, bei dem man meint, das sei nicht der Fall. Ob es sich dabei um einen Allgemeinarzt oder einen Internisten handelt, ist zweitrangig.

Unser Zusammenstehen ist umso wichtiger, weil wir vor denselben Herausforderungen stehen: Das sind die wiederkehrenden Angriffe auf unsere Kompetenzen. Hier ist die gesamte Kampfkraft unseres Verbandes gefragt! Weder sogenannte grundversorgende Fachärzte noch bachelorqualifizierte Hilfskräfte können die Hausärzte substituieren. Das müssen wir gemeinsam deutlich machen, bevor es zu spät ist. Leider helfen uns dabei die Körperschaften überhaupt nicht!

Ich bin froh, Bundesvorsitzender eines Berufsverbandes zu sein, der eine klare Vorstellung hat, wohin er will. Und ich bin davon überzeugt, dass wir die Situation der Hausärzte in den nächsten Jahren weiter verbessern können, wenn wir auch in Zukunft so zusammenstehen wie bisher. Mit kollegialen Grüßen

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband e.V.

(U. Weigeldt)

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