Praxis Wissen

Detektivarbeit trifft auf Zusammenschau

Um die allgemeinmedizinische Forschungstätigkeit und die hausärztliche Lehre an den Universitäten konkret und anschaulich vorzustellen, befragen wir die Leiter hausärztlicher Institute zu den Aktivitäten ihrer Abteilungen.

Prof. Dr. Jochen Gensichen ist seit Oktober 2016 Nachfolger von Prof. Dr. Jörg Schelling, dem Gründungsdirektor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

Was tun Sie, um die Medizinstudierenden für die Hausarztmedizin zu begeistern?

Unsere Studierenden lernen die Hausarztmedizin früh im Studium theoretisch und praktisch kennen. Sie sollen in Vorlesungen und Seminaren die Grundlagen und Begründungen unseres Handelns verstehen. Im Blockpraktikum sollen sie die ärztlichen Aufgaben eines gestandenen Hausarztes erleben und anwenden.

Zwei Aspekte sind mir besonders wichtig: zum einen die „medizinische Detektivarbeit“, auch schwere Krankheiten beginnen in der Regel leicht oder oft ohne richtig klare Symptome. Trotzdem müssen diese Zeichen rechtzeitig erkannt und richtig gedeutet werden. Zum anderen die „weitsichtige Zusammenschau“ der unterschiedlichen Probleme, Erkrankungen und Behandlungen, die alle Patienten mit sich bringen. Beides können Hausärzte besonders gut.

Was ist aktuell Ihr interessantestes Forschungsprojekt?

In einer unserer Studien arbeiten Intensivmediziner und Hausärzte „Hand-in-Hand“, um ihre gemeinsamen Patienten nach schwerer Erkrankung langfristig wirklich gut auch zu ihrem „Posttraumatischen Stress“ zu versorgen. Dies beginnen wir im Herbst mit Kollegen von sechs Uni-Allgemeinmedizinern: in Dresden, Berlin, Hamburg, Tübingen und München. Diese Arbeit fasziniert mich persönlich, macht uns allen hier sehr viel Freude und kann hoffentlich viel bewegen.

Auch ist mir unser LMU-Führungskräfteprogramm in der Weiterbildung wichtig. Wir begleiten junge und sehr engagierte Ärzte, die unser Fach dann sicher weiterbringen und verantworten werden. Persönlich engagiere ich mich in der bürgerlichen „Stiftung Allgemeinmedizin“, die unsere Hausarztmedizin weiter in die bürgerliche Gesellschaft tragen, aber auch deren Fragen in die Allgemeinmedizin tragen soll.

(S. Gehrke-Beck)

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