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Kommentar: Hausärzte brauchen anderes Training als Spezialisten

von Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, IHF-Vorsitzender

Das Trainingsprogramm eines Zehnkämpfers unterscheidet sich in sehr vielen Bereichen von dem eines Hochspringers oder Kugelstoßers. So ist es auch bei uns Hausärzten.

Um fit und kompetent für die tägliche ­Praxis zu bleiben, bedarf es eines speziellen Trainings. Als Generalisten würden wir rasch ins Straucheln kommen, wenn wir Großteile unserer Fortbildungszeit zu sehr auf nur einen Teil unseres Versorgungsauftrages konzentrieren würden. Leider werden wir immer wieder in diese Richtung gedrängt, wenn auch auf sehr subtile Weise. So darf seit dem 1. Oktober nur derjenige Arzt spezielle ­Leistungen abrechnen, wenn er rund 20 Prozent (!) seines jährlichen „Trainings“ (Fortbildungspunkte) im Bereich der Palliativmedizin erbringt. Die Folge wäre, dass für die etlichen ­anderen Bereiche keine oder nur wenig Zeit übrig bleibt und er in diesen Bereichen über die Zeit an Leistung (Kompetenz) verliert.

Nein – liebe Kollegen, so funktioniert kein vernünftiges Training! Moderner, versorgungsrelevanter und effektiver hausärztlicher ­Kompetenzerhalt beinhaltet vor allem hausärztliche Arbeitsmethodik, gepaart mit standardisierten Handlungsabläufen und einem kleinen Teil reinem Wissenstransfer. Dazu sind erwiesenermaßen Qualitätszirkelsitzungen, Hospitationen und Fortbildungsveranstaltungen mit Updatecharakter notwendig.

Hausärztlicher Kompetenzerhalt funktioniert eben anders als bei Einzelsportarten (Einorganspezialisten). Leider sind diese Erkenntnisse in manchen ärztlichen Körperschaften scheinbar noch nicht angekommen.

Lesen Sie dazu auch: "Das breite hausärztliche Spektrum in einer Woche"

(H.-M. Mühlenfeld)

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