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Test bestimmt Rhesusfaktor vor Geburt

Viele werdende Mütter könnten künftig auf eine Anti-D-Prophylaxe verzichten, denn: Ein neuer Test untersucht zellfreie zirkulierende DNA des Fetus aus dem mütterlichen Plasma und kann so schon vor Geburt den Rhesusfaktor des Fetus bestimmen.

So einfach ist die Rechnung aber leider nicht, wie aus einem ersten Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hervorgeht. Das IQWiG hat nämlich keine Studien gefunden, die eine Aussage darüber zulassen, wie sich eine Einführung des neuen Tests auswirken würde.

So sei unklar, ob Schwangere überhaupt davon profitieren, wenn sie auf die Prophylaxe verzichten, da verlässliche Daten zu Nebenwirkungen der Prophylaxe fehlten. Andererseits ist der Test „sehr zuverlässig“, schreibt das IQWiG. Er erkennt 99,8 Prozent der Rh-positiven Feten (Sensitivität) und ordnet 98,8 Prozent der Rh-negativen richtig ein (Spezifität). Das bedeute, dass 0,2 Prozent der Schwangeren, bei denen eine Anti-D-Prophylaxe vor der Geburt angezeigt wäre, diese nicht erhielten, sofern man sich auf das Testergebnis verließe.

Würde der bisherige Bluttest nach der Geburt beibehalten, der Pränataltest also als „Add-on“ eingesetzt, würden diese Frauen aber entdeckt und erhielten zumindest die nachgeburtliche Prophylaxe, deren schützende Wirkung unstrittig ist, so das Institut. Zudem sei das Risiko einer zusätzlichen Sensibilisierung aufgrund falscher Testergebnisse als klein einzuschätzen.

Pro Jahr bekommen rund 110.000 Schwangere eine Prophylaxe. Der Test könne die Zahl um 50.000 auf 60.000 reduzieren, schätzt das IQWiG. Derzeit bekommen alle Rh-negativen Schwangeren eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin. Dieses soll Erythrozyten abfangen, die schon vor der Geburt vom fetalen in den mütterlichen Blutkreislauf übertreten, und so die Sensibilisierung verhindern. Zum Einsatz kommt dabei humanes Anti-D-Immunglobulin, das von sensibilisierten Spendern gewonnen wird. Nach der Geburt wird der Rhesusfaktor des Säuglings bestimmt. Falls sein Blut Rh-positiv ist, erhält die Mutter eine weitere Anti-D-Prophylaxe.

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