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Montezumas Rache und andere Diarrhö-Formen

Meist geht eine Diarrhö schnell wieder vorbei. Doch wenn Patienten deswegen ärztliche Hilfe suchen, sollten Sie über die häufigsten Formen und ihre Behandlung Bescheid wissen. Dr. Dr. Peter Schlüter hat das Wichtigste zu diesem Thema für Sie zusammengefasst.

Wann spricht man von einer Diarrhö?

Die Diarrhö ist definiert durch eine Stuhlfrequenz von mehr als drei Stuhlgängen pro Tag, die einen hohen Wasseranteil (über 75 Prozent) und ein erhöhtes spezifisches Stuhlgewicht aufweisen. Länger andauernde Diarrhöen sind chronisch und können durch Nahrungsmittelintoleranz, chronisch entzündliche Darm­erkrankungen oder Tumore verursacht sein. Die akute­ Diarrhö, meist verursacht durch Infektionen oder In­toxikationen, dauert in der Regel 2 bis 3 Tage an.

Welche Formen der Diarrhö gibt es?

Es gibt unterschiedliche Formen der Diarrhö, für die teils auch unterschiedliche Ursachen verantwortlich sind (Tab. 2). Hauptsächlich kommen zwei Formen vor: eine sekretorische und eine osmotische Diarrhö. Die sekretorische Diarrhö ist durch Infektionserreger (Bakterien,­ Viren) verursacht. Die für diese Form der Diarrhö typische erreger- bzw. toxinbedingte vermehrte Darmsekretion kommt auch unter Nahrungskarenz nicht zum Stillstand. Bei der osmotischen Form der Diarrhö liegt eine gestörte Darmresorption vor, die durch Malabsorption, Maldigestion oder schwer resorbierbare Substanzen verursacht wird. Eine Nahrungskarenz bei dieser Form führt sofort zum Stillstand.

Diarrhö als Symptom eines Magen-Darm-Infekts

Magen-Darm-Infektionen häufen sich in den Sommermonaten und sind in den meisten Fällen unkomplizierte Erkrankungen, deren Leitsymptome Diarrhö und Erbrechen, begleitet von Abdominalschmerzen sind. Beim Magen-Darm-Infekt handelt es sich meist um eine osmotische Diarrhö, bei der eine gestörte Darmresorption vorliegt. Bei dieser Form einer Gastroenteritis führt eine Nahrungskarenz sofort zum Stillstand.

In Bezug auf Magen-Darm-Infekte begleitende Diarrhöen ist es sinnvoll, zwischen akuten und chronischen Diarrhöen zu unterscheiden. Die Grenze liegt hier bei etwa drei Wochen. Bei längerem Andauern muss im Gegensatz zur akuten Diarrhö ein breites Spektrum an differenzial­diagnostischen Möglichkeiten (Maldigestion, Mal­absorption, endokrin ­aktive Tumore, pseudomem­bra­nöse Kolitis, hormonelle Störungen, Nahrungsmittelallergien, Intoxikationen, Medikamente und psychosomatische Reaktionen) beachtet werden.

Von den banalen Magen-Darm-Infektionen sind gerade in den Sommermonaten die Reisediarrhöen zu unterscheiden und differenzial­diagnostisch abzugrenzen.

Wie unterscheidet sich eine Reisediarrhö?

Eine der häufigsten Reiseerkrankungen ist die Reisediarrhö. Auch wenn sie vorwiegend bei Aufenthalten in tropischen und subtropischen Gegenden aufzutreten droht, ist auch in anderen Urlaubsgebieten mit dieser Erkrankung zu rechnen. Die akute Reisediarrhö wird fast immer durch Infektionserreger ausgelöst (Tab. 1), wobei es sich um eine sekretorische Diarrhö handelt, die bei Nahrungskarenz sofort zum Stillstand kommt. Die häufigsten Krankheitserreger der akuten Reisediarrhö sind die enterotoxischen Vertreter von Escherichia coli, gefolgt von Shigellen und Viren.

Was ist bei einer Salmonellose zu beachten?

Die Salmonellenenteritis gehört hierzulande zu den gefürchteten Darminfektionen, bei denen die wässrige Diarrhö ein typisches Syndrom ist. Sie wird durch den Verzehr verseuchten Trinkwassers oder infektiöser ­Lebensmittel zum Beispiel durch ungenügende ­Hygie­ne hervorgerufen. Erreger ist Salmonella enteritidis, wobei unter den mehr als 2600 bekannten Salmonella-Serotypen etwa weitere 30 pathogene Gastroenteritis-Erreger sind. Da verschiedene Tiere wie Geflügel, Schweine und Reptilien Träger des Salmonellose-Erregers sind, können entsprechende Lebensmittel wie Eier, Fleisch, Milch und Muscheln mit Salmonellen verunreinigt sein.

Symptome der Salmonellenenteritis sind Erbrechen und Durchfall. Diese treten nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis sieben Tagen auf. Neben den wässrigen Diarrhöen gehören krampfartige Bauchschmerzen zur typischen Symptomatik. Die Dauer der Erkrankung beträgt in der Regel nur wenige Tage.

Zur Therapie sollte kein Antibiotikum verabreicht werden. Dies führt zu einer nicht erwünschten Verlängerung der Bakterienausscheidung. Wichtig: Die ­Salmonellose ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

(P. Schlüter)

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