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Kommentar: Hausärzte in der Pole Position

Sinnvolle Patientensteuerung 24/7 unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen ­bedeutet ganz klar: Kein weiter wie bisher. Die Ärzte und Fachkräfte in Praxis und Klinik wissen das und die spannende Frage ist, wie und vor allem durch wen diese Steuerung erfolgt.

Hinter den Stichworten Zentralisierung und Patientensteuerung steht mit dem SVR-Gutachten ein Konzept, welches vor allem die bestehenden Fehlsteuerungen beenden soll. Nicht der Patient sondern die Versorger werden entscheiden, wann wo welche medizinische Maßnahme erforderlich ist.

Klar ist auch: Die Bevölkerung muss darüber sehr gut – und umfassender als bisher – aufgeklärt werden. Gleichzeitig braucht es intelligent gesteuerte Versorgungspfade. An der Umsetzung und Zuweisung der Verantwortlichkeiten wie auch der finanziellen Rahmenbedingungen wird sich zeigen, ob die Politik wirklich verstanden hat, dass ein weiter wie bisher nicht geht.

Wir Hausärzte sind da in der Pole Position: Ersteinschätzung, Behandlung in der Praxis und Notfallpraxis, ob beim Hausbesuch und insbesondere im Pflegeheim. Unsere fachärztliche Kompetenz ermöglicht uns Beratungsanlässe mehrheitlich ­abschließend zu behandeln, auch den vermeintlichen Notfall. Wir Hausärzte sind mit unseren Praxisteams aber auch in der Pole Position, was die Arbeitsbelastung betrifft - und bei Weitem ist die Vergütung für diese anspruchsvolle Tätigkeit des ­gesamten Teams nicht angemessen.

Erweiterte Sprechzeiten und Engagement im Bereitschaftsdienst in neuen Strukturen? Klare Sache: Dieses Konzept kann nur mit einem viel an Allgemeinmedizin, sprich engagierten Hausärztinnen und Hausärzten, verwirklicht werden. Das muss es Politik und Selbstverwaltung dann aber auch wert sein.

Dr. med. Doris Reinhardt, ­Fachärztin für Allgemeinmedizin

Interessenskonflikte: seit über 20 Jahren Hausärztin, begeistert im Bereitschaftsdienst tätig, Sicherstellungsbekennerin

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(D. Reinhardt)

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