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Kompetenzzentren: Jeder auf seine Weise

Der Gesetzgeber fördert Kompetenzzentren, um die hausärztliche Weiterbildung voranzubringen. In mehreren Bundesländern gibt es bereits entsprechende Strukturen – ein einheitliches Konzept allerdings noch nicht.

evor die neuen Kompetenzzentren für die Weiterbildung in ­Allgemeinmedizin eingerichtet werden, prasseln schon die Erfolgsmeldungen ein. Zum Beispiel kürzlich beim „Sicherstellungskongress“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bei dem unter anderem über eben jene Kompetenzzentren diskutiert wurde. Deren Förderung hat der ­Gesetzgeber 2015 neben anderen Vorgaben in das Versorgungsstärkungsgesetz geschrieben. Die neuen Möglichkeiten treffen dabei in vielen Ländern auf bestehende Strukturen. Vor allem im Süden greift man bei der Weiterbildung von Allgemeinmedizinern schon länger auf Kompetenzzentren zurück. Mit Erfolg, sagen ­jedenfalls die Verantwortlichen.

Prof. Ferdinand Gerlach hat als Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt/Main bereits seit fünf Jahren ein angebundenes Kompetenzzentrum. Die Einrichtung, sagte er, hätte die Zahl der Weiterbildungsassistenten im Land signifikant gesteigert. Und Dr. Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses ­Ärztliche Weiterbildung bei der Bundesärztekammer, bezeichnete es als ausgemacht, dass die bereits bestehenden Kompetenzzentren funktionierten. „Jetzt sollten wir keine Zeit mehr damit vertun, darüber zu diskutieren, ob wir sie brauchen“, sagte er. „Sondern darüber reden, wie wir sie umsetzen“. Denn trotz aller Strukturen: Ein einheitliches Konzept für die Einrichtung von Kompetenzzentren gibt es nicht. Jedes Land geht bisher seinen eigenen Weg.

Im Gesetz von 2015 waren die Zentren nur ein Teil der Zielvorgabe, die Allgemeinmedizin zu fördern. So wurde die Zahl der geförderten Weiterbildungsstellen erhöht, zudem die finanzielle Förderung der Weiterbildungsassistenten. Von den Kompetenzzentren versprach man sich eine professionellere und effizientere Weiterbildung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Koordinierungsstellen Allgemeinmedizin (KoStA). Sie sollen die ­Arbeit aller beteiligten Partner – Hochschulen, Praxen, Weiterbildungsärzten und -assistenten, Kliniken und schließlich Kompetenzzentren – zusammenführen. Die ersten Förderanträge für Kompetenzzentren wurden gerade ­akzeptiert.

Zentren sollen Zeit sparen

Ferdinand Gerlach stellte das hessische Konzept vor. Man wolle an den bestehenden Strukturen nicht viel ändern, betonte er. „Wir werden im Großen und Ganzen so weiterarbeiten wie bisher“. Seit 2012 gäbe es an seinem Frankfurter Institut und der Marburger Allgemeinmedizin jeweils ein ­Kompetenzzentrum. Diese arbeiteten „sehr eng und gut“ mit der KoStA zusammen, die bei der KV Hessen angesiedelt sei. Die KV wiederum ist neben der Krankenhausgesellschaft, der Landesärztekammer und den Universitäten Partner bei den Kompetenzzentren. Die zugrunde liegenden Kooperationsverträge zwischen den Beteiligten seien nun nur geringfügig „überarbeitet“ und an die neuen gesetzlichen Fördervorgaben angepasst worden, sagte Gerlach.

Die KoStA wird in Hessen damit weiterhin die Aufgabe haben, Informations- und Vermittlungsplattform zu sein, an die sich unter anderem weiterbildende und weiterzubildende Ärzte und Studierende wenden könnten. Und die Kompetenzzentren seien ­weiter für einen möglichst „nahtlosen Übergang von Aus- zu Weiterbildung“ zuständig. Laut Gerlach, der auch dem Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen vorsitzt, ist das nämlich die wichtigste Funktion der Kompetenzzentren: Dass sie unter anderem durch angeschlossene Weiterbildungsverbünde Ärzten in Weiterbildung Zeit ersparen, sich immer wieder neu zu bewerben.

Während man in Hessen weitgehend an den bestehenden Strukturen festhalten will, sind in Baden-Württemberg etwas mehr Änderungen geplant. Dr. Simon Schwill ist an der Uniklinik Heidelberg in der Abteilung Allgemeinmedizin der medizinischen ­Fakultät tätig und dort mit zuständig für das angeschlossene Kompetenzzentrum. 2007 wurden an fünf medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs solche Zentren gegründet, wenig später die „Verbundweiterbildung plus“, die mit Praxispartnern eine nahtlose Weiterbildung ermöglichen sollte. Das Programm mit kompetenzbasiertem Curriculum, Train-the-Trainer-Programmen und regelmäßigen Schulungstagen für teilnehmende Ärzte in Weiterbildung habe sich bewährt, sagt Schill.

Erstmals alle erreichen

Trotzdem böten die neuen gesetzlichen Fördermöglichkeiten eine Chance zur Verbesserung. „Wir haben zwar die Kompetenzzentren schon, aber nicht in der Form, wie wir sie uns wünschen“, sagte Schwill. Er freue sich, dass nun nicht mehr nur die Hochschulen beteiligt würden, „sondern alle Partner des Gesundheitswesens“. Seien erst, wie in Hessen schon praktiziert, auch die ­Ärztekammer, die Krankenhausgesellschaft und die KV Partner, „haben wir erstmals die Möglichkeit, mit dem Angebot alle Ärzte zu erreichen“, so Schill.

Anders als Baden-Württemberg und Hessen, aber auch Bayern und Thüringen, ist Sachsen-Anhalt eines jener Bundesländer, in denen man beim Aufbau von Kompetenzzentren noch am Anfang steht. Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der dortigen KV, formulierte das Ziel, die Zahl der Ärzte in Weiterbildung in Allgemeinmedizin von 40 auf 60 pro Jahr zu erhöhen. Dafür gebe es seit Jahren diverse Programme in Sachsen-Anhalt, „die Weiterbildung ist nur ein Baustein“, sagte John.

Im Dezember des vergangenen Jahres ­habe man auf Grundlage des neuen Gesetzes ein erstes Kompetenzzentrum gegründet, ­also bevor es überhaupt eine Fördermöglichkeit durch das Versorgungsstärkungsgesetz gab. „Wir wollten schnell beginnen“, begründete John diesen Schritt. Übergangsweise sei bei der Finanzierung daher die AOK eingesprungen. Die neuen Förder- und Kooperationsmöglichkeiten würden „­frischen Wind“ in die Weiterbildung bringen, ­zeigte sich der KV-Chef überzeugt. So könnten beispielsweise Weiterbildungsmanager an den allgemeinmedizinischen ­Instituten Sachsen-Anhalts eingestellt werden, die zwischen Studierenden und Weiterbildern vermitteln.

(T. Trappe)

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