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Bei Laboranfragen haben Stift und Papier bald ausgedient

In der Praxis schreiben viele Ärzte lieber noch auf Papier, Misstrauen herrscht gegenüber digitalen Anwendungen wegen des Datenschutzes. Beim Muster 10 soll nun alles digital werden, geht es nach den Labordienstleistern. Davon erhoffen sie sich viele Vorteile.

Die Übermittlungsstandards stehen bereit. Nun müssen die Softwarehäuser die Schnittstellen zu den Praxisverwaltungssystemen (PVS) überbrücken und die Hausärzte Geschmack daran finden, die Laboranforderungen komplett zu digitalisieren.

Der Weg ist noch weit, hin zu einem wirklich flächendeckenden digitalisierten Austausch von Befunden und Anforderungen zwischen Laboren und Praxen. Das berichtete Dr. Michael Müller beim Berliner Hauptstadtkongress. „In nicht wenigen Fällen erhalten wir die Anforderungen immer noch in Papierform, und unsere Mitarbeiter müssen die Daten dann in unsere Labor-Software einpflegen“, sagt Müller, 1. Vorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.), im Gespräch mit „Der Hausarzt“. Allerdings hat die Digitalisierung bei den Leistungen im Labor Fahrt aufgenommen. Tatsächlich haben Papier und Stift bei sehr vielen Ärzten noch nicht ausgedient, erklärt Müller. Laut Zahlen des Hartmannbundes und des Branchenverbandes Bitkom vom Juni 2017 digitalisieren etwa nur 51 Prozent zum Beispiel ihre Arztbriefe. Nur 63 Prozent führen ihre Patientenakten digital. Damit ist die Führung der Patientenakte noch die am häufigsten am Bildschirm erledigte Arbeit. Immerhin 57 Prozent der befragten Ärzte bestellen ihr medizinisches Material online.

Grund für die Zurückhaltung ist die Befürchtung vieler Ärzte, die digitalisierten Daten seien zu unsicher und könnten missbraucht werden. 75 Prozent der befragen Ärzte sorgen sich vor Datenmissbrauch. Immerhin 41 Prozent fürchten zu hohe Investitionskosten. Andererseits sehen 65 Prozent der Ärzte durch die Digitalisierung eine einfachere Zusammenarbeit, 54 Prozent versprechen sich Kostenersparnisse und 42 Prozent der befragten Ärzte erwarten mehr Leistungstransparenz bei allen Beteiligten.

Neuer Standard seit Juli

Vielleicht nicht die schlechteste Voraussetzung für eine vollständige Digitalisierung der Anforderungen und Laborergebnisse. Unterdessen laufen bereits die Zertifizierungen für den weiterentwickelten Labordatentransfer (LDT) 3.0, eines Software-Standards, der Praxen und Labore verbindet. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung bildet er „in der Version LDT 3 die Schnittstelle zum systemunabhängigen Datentransfer von Laborauftrags- und Befunddaten zwischen den beteiligten Primärsystemen und den Laborinformationssystemen von Laborgemeinschaften und Facharztlaboren ganzheitlich ab“. Mit dem LDT 3.0 sollen die Befundübermittlungen über einen neuen Standard laufen. „Für uns war besonders wichtig, dass nun auch die Beauftragung der Laborleistungen über LTD 3.0 - Standard möglich ist“, betont Müller. „Das ist zum 1.7.2017 eingetreten.“ Das Muster 10 soll der Hausarzt nun elektronisch übermitteln und das Ganze in seinem PVS integrieren können.

Allerdings musste hier der Gesetzgeber mit der Brechstange nachhelfen. Denn die Schnittstellen zu den verschiedenen Praxissoftwares waren nicht offen. „Deshalb hat der Gesetzgeber im Juni den Paragrafen 291d SGB V geändert und die Hersteller dazu verpflichtet, in einem Übergangszeitraum von zwei Jahren entsprechende Schnittstellen zur Verfügung zu stellen“, berichtet Müller. „Bisher gab es diese Verpflichtung so nicht.“

Das war auch nötig, wenn man bedenkt, dass früher noch mit Modems im Mailbox- Verfahren gearbeitet wurde, erinnert sich Müller. Aber schon seit einigen Jahren bieten die Softwarehäuser den Praxen die Möglichkeit, Laboraufträge auch elektronisch zu verschicken. Jedoch mussten die Anforderungen immer zugleich ausgedruckt und den Proben beigelegt werden. „Das bedeutete für alle Beteiligten natürlich doppelte Arbeit“, erzählt Müller.

Verschiedene Hersteller, Übermittlungswege und Systeme machten eben viel Arbeit. So würden die verschiedenen Praxissoftwaresysteme die eingehenden Daten ganz unterschiedlich übernehmen. „Deshalb würden wir uns Folgendes wünschen: Wenn im Rahmen des E-Health-Gesetzes und der elektronischen Patientenakte über die Digitalisierung gesprochen wird, sollte man für einen gemeinsamen Standard sorgen“, meint Müller. So gebe es bereits eine Arbeitsgruppe von ALM, dem Bund Deutscher Laborärzte e.V. (BDL) und dem Qualitätsring Medizinische Software (QMS) und einiger Software-Hersteller, die ein standardisiertes Verzeichnis für Laboruntersuchungen erarbeiten und auf den Weg bringen will.

Das Ende der „Medienbrüche“

Fünf Punkte setzt Müller auf seine Zukunfts- Agenda, um den Datenverkehr zwischen Praxen und Laboren flüssiger und effizienter zu machen:

  1. „Wir brauchen vor allem eine integrierte Lösung für die digitalisierte Beauftragung und Befundübermittlung von Laborergebnissen“, fordert Müller. Vielleicht könnten auch noch weitere Informationen zu den reinen Befundübermittlungen hinzukommen: Zum Beispiel Angaben zu den präanalytischen Bedingungen, Hinweise auf Doppeluntersuchungen oder darüber, ob eine Untersuchung Kassenleistung ist oder nicht, sowie Hinweise etwa auf eine eingeschränkte Nierenfunktion des Patienten.

  2. Einführung standardisierter Schnittstellen für Patientendaten. Besonders wichtig ist es, Medienbrüche zu vermeiden. Das heißt: Am Schluss müssen die papierenen Anforderungen ganz der Vergangenheit angehören.

  3. Die Indikationsqualität durch den Einsatz von E-Health steigern. „Wenn ein Arzt Laboruntersuchungen beauftragt, könnten wir ihm Hinweise geben, welche Laborleistungen adäquate Antworten auf die jeweilige klinische Fragestellung geben kann“, schlägt Müller vor. „Auch können die Labore auf eine gute Stufendiagnostik hinweisen.“ Das unterstütze die Indikationsstellung.

  4. Steigerung der diagnostischen Effizienz: „Hier könnten wir dabei unterstützen, dass die Laborbefunde in den Praxisverwaltungssystemen besser und standardisiert dargestellt werden“, meint Müller.

  5. Big Data nutzen! Aus der großen Menge der Labordaten könnte man Rückschlüsse ziehen und wichtige Versorgungsfragen bearbeiten, sagt Müller. „Bekommen zum Beispiel alle Diabetes-Patienten die in den Leitlinien empfohlenen Laboruntersuchungen und Verlaufsuntersuchungen zum richtigen Zeitpunkt?

Müllers Verband gehören 167 Laboratorien und über 500 Ärzte an. Die Aufgabe für die Zukunft sei klar, sagte er: „Die Über-, Unter- und Fehlversorgung lässt sich durch die vernetzte Digitalisierung in den Griff bekommen.“

Link: Die KBV hat einen Leitfaden zur digitalen Laborüberweisung verfasst: https://hausarzt.link/DJQVU

(C. Beneker)

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