Hausarzt Medizin

Gut geschützt auf Reisen

Meldungen über Ausbrüche von Infektionskrankheiten haben das Interesse an reisemedizinischen Themen neu geweckt. Nachfolgend das Wichtigste für eine kompetente Beratung in der hausärztlichen Praxis.

Nach dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“ zählt zu einer individuellen Reiseberatung auch die Information über notwendige Impfungen und die Malariaprophylaxe. Die Präventionsmaßnahmen richten sich nach dem Reiseziel, der Jahreszeit im Reiseland, der Reisedauer und der Reiseart sowie den besonderen Aktivitäten (z. B. Tauchen oder Bergsteigen) während der Reise.

Kurzreisen bringen oftmals besondere Risiken mit sich, denn Vorsorgemaßnahmen werden hier häufig als unverhältnismäßig angesehen – manchmal mit fatalen Folgen. Während für eine Pauschalreise in der Regel die Standardimpfungen und je nach Reiseland Impfungen gegen Hepatitis A, ggf. auch gegen Typhus und Gelbfieber sowie eine Malariaprophylaxe ausreichen, benötigen Trekkingreisende, beruflich Reisende oder auch Entwicklungshelfer oftmals weitere Impfungen.

Vorgeschriebene Impfungen

Nach den internationalen Gesundheitsbestimmungen gibt es für bestimmte LänderVorschriften für die Gelbfieber- und die Poliomyelitis- Impfung.

Für die Gelbfieber-Impfung gilt dies in der Regel bei der Einreise aus Infektionsgebieten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schützt eine einmalige Gelbfieber- Impfung ein Leben lang, Wiederimpfungen nach 10 Jahren entfallen. Demnach ist bei der Einreise in WHO-Mitgliedsstaaten künftig der Nachweis einer einmaligen Gelbfieber- Impfung ausreichend.

Die Impfung gegen Poliomyelitis wird im Allgemeinen bei der Ausreise aus Ländern, in denen aktuell Polioerkrankungen gemeldet wurden, verlangt. Ziel ist es, die internationale Verbreitung von Polioviren zu reduzieren.

Zusätzlich können einzelne Länder weitere Impfvorschriften für die Ein- und Ausreise erlassen. So verlangt Saudiarabien von Mekka-Pilgern den Nachweis über eine Meningokokken- Impfung mit einem Vierfachimpfstoff (ACW135Y), der mindestens 10 Tage vor der Einreise ausgestellt wurde. Bei der Aufstellung des Impfplans ist neben dem Reiseziel immer die Reiseroute zu berücksichtigen; Zwischenaufenthalte, auch im Transit, können die Impfpflicht ändern.

Standardimpfungen

Eine Reise ist ein guter Anlass, um Impflücken zu schließen. Zu den Impfungen, deren Status generell vor jeder Reise überprüft werden soll, gehören die Standardimpfungen, also die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Pertussis sowie gegen Masern, Mumps und Röteln für nach 1970 geborene Erwachsene, die noch gar nicht oder in der Kindheit nur einmal geimpft wurden bzw. bei denen der Impfstatus unbekannt ist.

Für Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke wird zusätzlich die jährliche Influenza- Impfung empfohlen sowie eine oder mehrere Impfungen gegen Pneumokokken (je nach Alter und Vorerkrankung).

Klassische Reiseimpfungen

Die Hepatitis-A-Impfung wird bei Reisen in die Tropen und Subtropen sowie nach Süd- und Südosteuropa empfohlen. Bei der Impfung gegen Hepatitis B empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine individuelle Gefährdungsbeurteilung.

Die Typhus-Impfung wird allen empfohlen, die in tropischen und subtropischen Ländern einer besonderen Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Eine vorbeugende Tollwut-Impfung wird allen Reisenden in Länder mit hohem Tollwutrisiko empfohlen, vor allem bei Langzeitaufenthalten, unzureichender ärztlicher Versorgung vor Ort, Mangel an modernen Impfstoffen und Immunglobulin und einfachen Reisebedingungen. Hauptinfektionsquelle sind streunende Hunde. Das größte Risiko besteht in ländlichen Gebieten Zentral- und Südostasiens und Südamerikas. Eine Cholera-Impfung wird von der STIKO nur noch bei Aufenthalten in Infektionsgebieten, besonders unter mangelhaften Hygienebedingungen bei aktuellen Ausbrüchen, empfohlen, z. B. bei Naturkatastrophen.

Die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis kommt laut Deutscher Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) bei längerfristigem Aufenthalt im Endemiegebiet (Süd-, Südost- und Ostasien) sowie bei Reisen mit erhöhter Exposition in Frage, z. B. bei Übernachtung in ländlichen Regionen der Endemiegebiete, speziell während der Hauptübertragungszeit (Regenzeit und danach).

Malariaprophylaxe

Jährlich erkranken auch deutsche Touristen und Reisende an Malaria, meistens weil keine ausreichende Malariaprophylaxe durchgeführt wurde. 2015 wurden in Deutschland 1.068 Malariafälle registriert. Damit setzte sich der Anstieg aus den Vorjahren (2014: 1.011 Fälle) weiter fort.

Die meisten Malariagebiete befinden sich in Afrika südlich der Sahara, weitere in Mittelund Südamerika, Süd- und Südostasien, der westlichen Pazifikregion und ein kleiner Teil im Mittleren Osten und Europa.

Die konsequente Vermeidung von Insektenstichen zählt noch immer zu den wichtigsten Vorbeugemaßnahmen, um durch Mücken übertragene Erkrankungen (z. B. Malaria, Denguefieber, Chikungunyafieber, Zikaviruserkrankungen) zu verhindern. Wichtig sind folgende Maßnahmen:

  • Anwendung von Moskitonetzen (Imprägnierung mit Repellents),

  • Einreiben unbedeckter Hautstellen mit Repellentien,

  • Tragen von heller (mit Repellents imprägnierter) hautbedeckender Kleidung,

  • Aufenthalt in mückensicheren Räumen (Moskitogitter an den Fenstern).

Für die medikamentöse Malariaprophylaxe werden für verschiedene Reiseländer unterschiedliche Präparate empfohlen, abhängig von der Resistenzsituation und der Erregerverbreitung in dem betreffenden Land (Tab. 1).

Stand-by-Therapie: In besonderen Fällen, z. B. wenn das Infektionsrisiko im Land gering oder der Aufenthalt im Malariagebiet nur kurz ist, kann es sinnvoll sein, kein Medikament zur Malariaprophylaxe einzunehmen, sondern ein Medikament für die Therapie im Notfall mitzunehmen.

Literatur bei der Verfasserin.

Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.

(A. Grüber)

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