kurz + knapp

Splitter vom Deutschen Ärztetag

Ärztetag steckt Grenzen für Physician Assistants ab

Nach einer emotionalen Debatte hat der Ärztetag das Konzept „Physician Assistant – Ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen“ begrüßt. Dies haben Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erarbeitet. Die KBV-Vertreterversammlung hatte ihre Zustimmung bereits erteilt. Das Konzept soll den Wildwuchs an Qualifikationen beheben. „Wir wollen eine qualifizierte Ausbildung für diese Menschen, damit wir Ärzte nicht an schlecht ausgebildete Hilfskräfte delegieren“, erklärte BÄK-Präsident Montgomery. Für klare Vorgaben der Qualifizierung setzt sich auch der Deutsche Hausärzteverband ein (S. 29).

Physician Assistants unterstützen bisher vor allem leitende Ärzte in Krankenhäusern, entlasten sie bei Dokumentation, Management und Organisation. Laut Konzept handelt es sich um einen Gesundheitsberuf mit der Qualifikation des Bachelors of Science, der vom Arzt übertragene Aufgaben übernimmt. Die Zulassung zum Studium muss eine dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf voraussetzen, fordert der Ärztetag. Die Weiterqualifizierung ist für MFA, Pflegekräfte oder Notfallsanitäter gedacht. Zwar ist auch ein Einsatz in Hausarztpraxen denkbar, aber Montgomery bestätigte auf Nachfrage von „Der Hausarzt“, dass das Berufsbild „sehr auf die Unterstützung in Kliniken ausgelegt ist“. (jvb)

Delegierte kippen absolutes Fernbehandlungsverbot

Für Ärzte gilt seit jeher: Behandlung nicht ausschließlich per Telefon und Co. Nun hat der Ärztetag das Verbot ausschließlicher Fernbehandlung zu Grabe getragen. Mit großer Mehrheit votierten die Delegierten für eine Änderung des einschlägigen Absatzes 4 im Paragrafen 7 der (Muster-)Berufsordnung. Prof. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), sah darin einen Epochenwandel: „Sie sind Zeugen einer Änderung der Politik der Bundesärztekammer.“

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hatte als bisher einzige im vergangenen November ihre Berufsordnung novelliert: „Modellprojekte, (...) in denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden, bedürfen der Genehmigung durch die Landesärztekammer und sind zu evaluieren.“ Will heißen: Ausschließliche Fernbehandlung ist in genehmigten Projekten möglich. (nös)

Ärzte fordern Digitalisierungsstrategie

Die Ärzte wollen der Industrie nicht das Feld für die Digitalisierung überlassen. Jedoch wurden ihre Vorschläge beim Ärztetag nur wenig konkret. Am weitreichendsten waren die Beschlüsse, Curricula zur Digitalkompetenz etwa in die Weiterbildungsordnung aufzunehmen und das Verbot ausschließlicher Fernbehandlungen zu streichen (s.o.). Die Delegierten fordern vom Gesetzgeber, eine Digitalisierungsstrategie zu schaffen, die

  • die ethischen Grundsätze

  • die „Rolle“ digitaler Methoden für die Gesundheitsversorgung,

  • den Datenschutz etwa für Big-Data-Anwendungen,

  • Rahmenbedingungen für die Finanzierung und

  • die rechtlichen Gesichtspunkte klärt.

„Die Menschen lieben es, Daten zu teilen. Und diese Datenbegeisterung hat keine natürliche Grenze“, sagte Digitalexperte Sascha Lobo in Freiburg. Dies werde zum Problem, wenn Patienten mit den Daten aus ihren Apps in der Praxis aufschlagen. „Diese Datenströme reichen immer mehr in Ihre Kompetenz hinein.“ Die junge Generation fordert von den Ärzten bereits offensiv einen Umgang mit solchen Daten ein. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Form der Digitalisierung derzeit fast ausnahmslos große Unternehmen betreiben. Medizinethikerin Prof. Christiane Woopen sieht als größeres Problem: „Wenn in Zukunft jeder Servicemitarbeiter bei Apple auf jede Gesundheitsfrage die richtige Antwort und mehr Zeit für Zuwendung hat“ als Ärzte. (nös)

Alle Videos und Berichte ausführlich online und ab S. 18.

(D. Nößler, J. Dielmann-von Berg)

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