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Hausärzte sind Dreh- und Angelpunkt der Versorgung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich für ein primärärztliches Versorgungsmodell mit Hausärzten als „Drehund Angelpunkt“ ausgesprochen. Das sagte KBVVize Dr. Stephan Hofmeister im Interview mit „Der Hausarzt“ bei der Vertreterversammlung im Vorfeld des Deutschen Ärztetages. Die KBV fordert außerdem, dass die Kassen für die Koordinierung der Patienten ein Einschreibemodell anbieten. Darüber könnten Patienten etwa Boni erhalten, wenn sie als Chroniker zuerst immer ihren koordinierenden Arzt aufsuchen. Als erstes hatte der Deutsche Hausärzteverband vorgeschlagen, dass Versicherte, die an einem Hausarztvertrag teilnehmen, von den Kassen Rückzahlungen oder eine Art Bonus erhalten.

„Natürlich ist der originäre Primärversorger der Facharzt für Allgemeinmedizin, der breit ausgebildet ist und insbesondere multimorbide und chronisch kranke Patienten behandelt“, sagte Hofmeister. Unabhängig davon könne eine 18-jährige Frau aber auch gut beim Gynäkologen versorgt sein, wenn sie keine andere Erkrankung habe. In ihrem Acht-Punkte-Programm fordert die KBV außerdem:

  • eine Weiterentwicklung des Belegarztsystems unter „Einbindung hausärztlicher Kompetenz“

  • Weiterentwicklung des Notdienstes: Über die Notdienstnummer 116117 soll eine 24 Stunden erreichbare Telefontriage erfolgen. Das langfristige Ziel sei die Zusammenlegung des Bereitschaftsdienstes und der kommunalen Rettungsdienste.

  • EBM-Reform: Pauschalen für Leistungen, die „das Maß des Ausreichenden, Zweckmäßigen, Wirtschaftlichen und Notwendigen“ (sogenannte WANZ-Kriterien) überschreiten können, und Einzelleistungsvergütung in Bereichen, bei denen eine Mengendynamik erwünscht ist.

  • Bedarfsplanung soll auch indikationsbezogene und regionale Strukturparameter berücksichtigen.

  • Die Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung von Ärzten für die ambulante Tätigkeit müssen erweitert, das Medizinstudium stärker an der Patientenversorgung ausgerichtet und die Förderung der ambulanten Weiterbildung ausgebaut werden.

  • Digitale Innovationen müssen sicher, aufwandsneutral und nutzbringend sein. Die Interoperabilität, also ein reibungsloser Austausch zwischen den Systemen, ist zu gewährleisten.

  • Delegation an nichtärztliche Gesundheitsberufe muss optimiert werden.

Zudem fordert die KBV von der Politik ein, sich zur ambulanten Versorgung zu bekennen.

Video

Online ausführliche Berichte und der KBV-Vorstand im Video-Interview.

(D. Nößler)

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