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Masterplan Medizinstudium 2020 erntet Lob und Kritik

Die flächendeckende ambulante hausärztliche Versorgung in Bayern ist in Gefahr. Laut Versorgungsatlas der KV Bayerns sind die Hausärzte im Schnitt knapp 55 Jahre alt, in einzelnen Bereichen auch deutlich älter. Zentrales Thema beim Bayerischen Hausärztetag in Unterschleißheim bei München war denn auch der hausärztliche Nachwuchs. Anlass zur Diskussion bot der „Masterplan Medizinstudium 2020“, der Ende März ohne Klärung der Finanzierung verabschiedet wurde.

Damit die nötige Reform des Medizinstudiums, die besonders die Allgemeinmedizin stärken soll, nicht am Geld scheitert, fassten die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes einstimmig eine Resolution: Die Bundesregierung, die Bayerische Staatsregierung und die sie tragenden Fraktionen im Bundestag und im Bayerischen Landtag werden aufgefordert, die Finanzierung der Umsetzung des Masterplans auch durch eine Beteiligung des Bundes und aller Träger der Gesundheitsversorgung kurzfristig zu sichern. Denn „jede Verzögerung bei der Umsetzung würde allen bisherigen Bemühungen zur Förderung der Allgemeinmedizin zuwiderlaufen und den Mangel an hausärztlichem Nachwuchs verschärfen“, warnte Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Den Masterplan griffen auch die Festredner am traditionellen Festabend auf. Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, bezeichnete es als „wesentliches Element“, dass im Staatsexamen „die Prüfung in Allgemeinmedizin, dem entscheidenden Fach der Primärversorgung, endlich verpflichtend wird.“

Die bayerische Gesundheitsministerin ­Melanie Huml (CSU) bedauerte, dass die Bemühungen, die Schaffung zusätzlicher Medizin­studienplätze in den Masterplan aufzunehmen, scheiterten. „Wir werden in Bayern mit Augsburg vorangehen und neue Medizinstudienplätze schaffen, aber auch nicht aufhören, das für andere Länder zu fordern.“ Ihr sei bewusst, dass die im Masterplan ­verankerte Landarztquote „nicht die Lösung“ ist. „Aber es ist ein Baustein, eine Möglichkeit“, sagte sie. „Wir brauchen noch mehr Möglichkeiten!“ Ebenso sieht Geis die Landarztquote als Chance: „Sie gibt denjenigen, die nicht so gut im Abitur abgeschnitten haben, trotzdem die Möglichkeit, Medizin zu studieren. Das ist sicher eine gute Idee, weil nicht jeder Einser-Abiturient unbedingt ein guter Arzt wird.“

Nicht einig über die Landarztquote waren sich die Politiker, die an der Podiumsdiskussion vor der Mitgliederversammlung teilnahmen. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bayerischen Landtags Kathrin Sonnenholzner (SPD) begrüßte zwar die Verabschiedung des Masterplans, lehnte aber die Landarztquote ab. Der Landtagsabgeordnete Ulrich Leiner von den Grünen erklärte für seine Fraktion: „Wir begrüßen alle Maßnahmen, die die Situation verbessern.“ Er meldete aber Zweifel an, ob die Verpflichtung, später als Landarzt tätig zu werden, durchgesetzt werden kann. Dr. Jan Dunker, Vorsitzender des Landesfachausschusses für Gesundheit und Pflege der bayerischen FDP, findet die Quote auch problematisch: „Das ist immer so ein bisschen Zwangsverschickung.“

„Bayern hat eigentlich schon die Landarztquote eingeführt“, bemerkte der CSU-Bundestagsabgeordnete Reiner Meier und verwies darauf, dass die Staatsregierung bereits 300 Niederlassungen auf dem Land gefördert habe und derzeit 120 Studierende ein Stipendium erhielten, die sich für mindestens fünf Jahre Landarzttätigkeit nach dem ­Studium verpflichtet haben. „Wer einmal auf dem Land ist, der bleibt auch“, hofft er.

Dr. Dieter Geis brachte in der Diskussion seine Erleichterung über die Verabschiedung des Masterplans zum Ausdruck. Außerdem mahnte er an, dass die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) stärker unterstützt werden müsse. Es ­müssten Anreize geschaffen ­werden, damit sich mehr Menschen in Hausarztverträge einschreiben, erklärte er und forderte eine gesetzliche Regelung, wonach die Krankenkassen einen Bonus für die HZV-Teilnahme gewähren müssen. „Das wäre ein Ansatz, den wir ­befürworten“, stimmte Leiner ­(Grüne) zu. „Der Vorschlag ist gut“, befand auch Meier (CSU). ­Wenig anfreunden konnte sich dagegen FDP-Vertreter Dr. Jan Duncker mit einem Pflichtbonus für HZV-Teilnehmer und sprach von einer „schwierigen Frage“.

In seinem Bericht zur ­Lage vor der Mitgliederversammlung warnte Geis vor vermeintlichen ­Notlösungen wie einem „Hausarzt light“ mit verkürzter ­Studien- und/oder Weiterbildungszeit, um den Mangel an Hausärzten auszugleichen. „Das Wissen, das für ­eine qualitativ hochstehende Hausarzttätigkeit mit Facharztcharakter erforderlich ist, kann nicht durch ein kurzes Bachelor-Studium erworben werden.“ Eine wirkliche Entlastung biete dagegen die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH®), die unter der Regie des Hausarztes etwa Hausbesuche und zahlreiche Routine­maßnahmen übernimmt. „Eine echte Entlastung und ein wichtiges Element der Hausarztzentrierten Versorgung“, so Geis. In diesem Sinne solle auch die Diskussion um den „Physician Assistant“ geführt und eine Weiterentwicklung der VERAH® beraten werden.

Auf www.hausaerzte-bayern.de finden Sie einen ausführlichen Bericht und die wichtigsten Beschlüsse

Video

Unter www.­hausaerzte-bayern.de (Presse/MedCast) finden Sie Videomitschnitte von Melanie Huml, Ulrich Weigeldt und Dr. Dieter Geis.

(R. Sharp)

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