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Welche Rolle spielt die Allgemeinmedizin in Ihrem Modellstudiengang?

Die Allgemeinmedizin ist das Kernfach. Wir sind in allen Studienjahren in der Lehre präsent: u.a. mit Vorlesungen, Seminaren und Kommunikationskursen. Vor allem hospitieren bei uns alle Studenten in den ersten drei Jahren viermal je eine Woche in Hausarztpraxen, jeweils mit einem thematisch spezifischen Logbuch, auf das die Lehrärzte vorbereitet werden. Dazu kommen einmal vier Wochen Blockpraktikum im fünften Jahr. Neben Stadtpraxen in Oldenburg und Bremen gibt es viele Landpraxen, vom Oldenburger Münsterland bis zu den ostfriesischen Nordseeinseln.

Welche Besonderheiten gibt es noch im Medizinstudium in Oldenburg?

Das Studium ist binational: Alle Studenten gehen sechs bis zwölf Monate an die Partneruni nach Groningen (Niederlande). Von dort kommen jedes Jahr 40 Studenten für ein Jahr in die Kliniken und Praxen zu uns. In den Niederlanden gibt es ein Primärversorgungsmodell und dementsprechend ist die universitäre Ausbildung ausgestaltet. Für das Studium in Oldenburg haben wir das Groninger Curriculum an die deutsche Approbationsordnung angepasst und so einen sehr allgemeinmedizinisch geprägten Studiengang eingeführt. Hausärzte sind als Lehrärzte an Hospitationen, Vorlesungen und anderen Lehrformaten beteiligt. Im „Problemlöseseminar“ z.B. moderiert ein Hausarzt die Diskussion eines Patientenfalls, den er mit einem Fachspezialisten ausgesucht hat. Die Studierenden lösen den Fall differenzialdiagnostisch und können um weitere anamnestische Angaben und Untersuchungsbefunde bitten sowie „konsiliarisch“ vom Facharzt weitere Diagnostik anfordern. Alle Mitarbeiter meiner Abteilung sind auch in der Patientenversorgung tätig. Unser Beirat mit 14 Hausärzten bringt sich in Konzeption und Umsetzung der Lehre und Forschung ein. Und: Wir sind angeblich die kleinste medizinische Fakultät Europas!

Antworten auf diese Fragen gab Prof. Dr. med. Michael Freitag (leitet die Abteilung Allgemeinmedizin an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg (European Medical School Oldenburg Groningen))

(Dr. med. Sabine Gehrke-Beck, Philipp Leson)

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