Hausarzt Medizin

Reha: Tipps zur beruflichen Integration

Der DGPPN-Teilhabekompass liefert wichtige Informationen über berufliche Integrationsmaßnahmen für Menschen mit psychischen Erkrankungen und schließt damit eine Lücke im Versorgungssystem.

Seit Jahren verzeichnen die Krankenkassen in Deutschland einen dramatischen Anstieg der Arbeitsunfähigkeit aufgrund ­psychischer Erkrankungen (TK Gesundheitsreport 2016). Damit geht eine erhöhte Inanspruchnahme der hausärztlichen Versorgung durch Patienten mit psychischen Erkrankungen einher. Als ­Primärversorger sind Hausärzte damit an der ­Schnittstelle zwischen Erstdiagnostik und fachspezifischer Weiterbehandlung auch in die Koordination und Vermittlung ­psychosozialer Angebote einbezogen. Dies betrifft insbesondere die Themen ­Rehabilitation und berufliche Wiedereingliederung dieser Klientel.

Das ausgesprochen komplizierte Reha-System in Deutschland erschwert jedoch eine schnelle und am Einzelfall orientierte Unterstützung. Wie eine Umfrage über den Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zeigte, wünschen sich Primärversorger vor allem im Bereich der beruflichen Integration insbesondere von schwer psychisch erkrankten Patienten Information und Navigation durch den deutschen Reha-Dschungel.

Teilhabekompass

Um diese Lücke zu schließen, wurde im Auftrag der DGPPN der Teilhabekompass entwickelt, der kompakt und übersichtlich das Thema der beruflichen Integration in Deutschland darstellt. Er richtet sich an Hausärzte, niedergelassene ­Fachärzte für Psychiatrie und ­Psychotherapie sowie an Ärzte in psychiatrischen Kliniken und Abteilungen sowie in Gesundheitsämtern und sozialpsychiatrischen Diensten. Der Teilhabekompass enthält Informationen zu Maßnahmen wie auch Leistungsträgern der beruflichen Rehabilitation (orientiert am SGB IX). Neben kurzen Beschreibungen werden u.a. zusätzlich Angaben zu den Zugangsvoraussetzungen seitens der Betroffenen, zur Zuweisungsberechtigung, zu Dauer und Finanzierungsgrundlage sowie zum Setting einer Maßnahme gemacht.

Darüber hinaus enthält der Teilhabekompass Informationen zu ­Angeboten beruflicher Integration, die über die Vorgaben des SGB IX hinausgehen. Dabei kann es sich um Angebote im regelfinanzierten Versorgungssystem, z.B. in einer psychiatrischen Institutsambulanz, um forschungsfinanzierte Modellprojekte sowie um Angebote von Betroffenen- und Angehörigenverbänden handeln.

In einem gesonderten Kapitel werden Kasuistiken schwer psychisch erkrankter Patienten vorgestellt. Dem Leser soll anhand dieser Verläufe gezeigt werden, dass auch bei vermeintlich aussichtslosen „Karrieren“ eine Einsteuerung von Patienten mit psychischen Erkrankungen in das System der beruflichen Integration möglich ist. Abschließend gibt der Teilhabekompass Tipps zu ausgewählten Themen in der Praxis (z.B. zur Schweigepflicht oder zur Zuständigkeit und Höhe von Entgeltersatzleistungen).

Der Teilhabekompass

Erhältlich ist der Teilhabekompass

  • als Broschüre über die DGPPN-Geschäftsstelle, Reinhardtstraße 27 B, 10117 Berlin, E-Mail: sekretariat@dgppn.de

  • als pdf-Datei zum Download unter http://www.teilhabekompass.de.

Perspektivisch wird es möglich sein, auf dieser Internetseite Maßnahmen, Anbieter und Angebote nach regionalen Gesichtspunkten zu recherchieren. Eine fortlaufende Erweiterung und Anpassung der Website an neue politische Entwicklungen ist gewährleistet.

Fazit

Das Ziel zukünftiger gemeinsamer Bemühungen muss es sein, für psychisch erkrankte Menschen medizinische, ­soziale und berufliche Integrationsmaßnahmen bedarfsorientiert und ganzheitlich anzubieten. Der Teilhabekompass leistet dafür ­einen entscheidenden Beitrag.

Co-Autoren: Dr. med. Cornelia Goesmann, Prof. Dr. med. Detlef E. Dietrich, Dr. med. Iris Hauth, Dipl.-Psych., Gabriel Gerlinger, M.A., Prof. Dr. med. Katarina Stengler

Die Autoren haben keine Interessenkonflikte deklariert.

(J. Rauschenbach)

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