Editorial

Der informierte Patient: Fluch oder Segen?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, jeder zweite Deutsche nutzt heute das Internet auf der Suche nach Informationen, insbesondere wenn er krank ist [1]. Ob der Patient nach einer solchen Recherche dann wirklich gut informiert ist und somit das anschließende Arzt-Patientengespräch positiv beeinflusst, darüber gehen die Meinungen unter Ärzten weit auseinander. Nach einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK [2] finden 54 Prozent der befragten Ärztinnen/Ärzte, dass diese Entwicklung sowohl positive als auch negative Aspekte beeinhaltet (s. Grafik). In weiteren Fragen sagten 45 Prozent, sie finden informierte Patienten mindestens problematisch, 30 Prozent sind der Ansicht, dass die Eigenrecherche die Patienten meist verwirre und dadurch oft unangemessene Ansprüche und Erwartungen erzeuge, die die Arbeit der Ärzte belaste.

Ob ein informierter Patient in der Praxis als positiv empfunden wird, hängt nach Meinung der befragten Ärzte auch mit dem Bildungsgrad des Patienten zusammen: Je ungebildeter ein Patient, desto negativer die Einschätzung des Arztes. Entscheidend bei dem Thema ist auch, wie gut sich die Ärzte selbst mit den Angeboten für Patienten im Internet auskennen: Nur sieben Prozent geben an, sich sehr gut auszukennen, 36 Prozent bezeichnen ihre Kenntnisse als gut, 15 Prozent geben jedoch an, nicht so gut oder überhaupt nicht Bescheid zu wissen.

Informationen auf Wikipedia, jameda und Apotheken-Umschau kennen über 80 Prozent der Ärzte. Kritische und qualitativ hochwertige Portale wie Krebsinformationsdienst.de des DKFZ, patienten-information.de (ÄZQ) und gesundheitsinformation.de (IQWIG) liegen teilweise unter 20 Prozent Bekanntheit. Das ist schlimm.

Die zuletzt aufgeführten Portale sind leider auch vielen Patienten nicht bekannt. Demzufolge verwundert es nicht, dass in Zeiten von „fake news“ und subtilen Marketingaktionen so mancher Anbieter Falschmeldungen und Interpretationen existieren, die mit der Realität nicht mehr viel zu tun haben. Deshalb forderte unter anderem auch Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) vor Kurzem EIN deutsches Gesundheitsportal, auf dem alle wichtigen Informationen rund um das Gesundheitswesen in hoher Qualität und trotzdem leicht verständlich zu finden sein müssen [1].

Es geht also nicht darum, ob Patienten informiert sein sollten oder nicht. Sie sollten die richtigen Informationen erhalten, die ihnen helfen, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. Hier spielen insbesondere Sie als Hausärztinnen und Hausärzte eine entscheidende Rolle, indem Sie das Richtige empfehlen. Diese wichtige Chance, die Arzt-Patienten-Beziehung positiv zu beeinflussen, sollten Sie sich nicht entgehen lassen, meint Ihre

Dr. Monika von Berg, Chefredakteurin „Der Hausarzt“

Quellen:

  • 1 FAZ vom 08.01.17,

  • 2 gesundheitsmonitor 2/2016, Umfrage mit 804 Ärzten der Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK

(M. von Berg)

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