Hausarzt Medizin

Behandlung der Varikosis

Die klinische Einteilung der chronischen Veneninsuffizienz erfolgt nach der CEAP-Klassifikation:

  • CO: keine Erscheinung

  • C1: Besenreiser und retikuläre Varizen

  • C2: Varizen (> 3 mm)

  • C3: Ödem

  • C4a: Pigmentierung und Ekzem

  • C4b: Lipodermatosklerosis, Atrophie blanche

  • C5: abgeheiltes Ulkus

  • C6: offenes Ulkus

Nach Anamnese und klinischer Untersuchung erfolgt im nächsten Schritt die duplexsonographische Untersuchung. Sie ist für die Therapieplanung unverzichtbar. Dabei geht es vorrangig um die Beurteilung der tiefen Beinvenen, nämlich, ob sie offen und suffizient sind und ob ein Reflux in die oberflächlichen Venen vorliegt.

In den Stadien CO bis C3 steht die konservative Therapie im Vordergrund. Dazu gehören Kompressionsstrümpfe mit einem definierten Anlagedruck von ca. 20 – 30 mm Hg als unverzichtbare Basistherapie. Dabei ist jede Kompression besser als keine und medizinische Kompressionsstrümpfe sind besser als Verbände. Im Unterschied zu der medikamentösen Therapie ist bei den Kompressionsstrümpfen die Wirksamkeit bewiesen. Bei Gabe von Medikamenten sollte man den Patienten darauf hinweisen, dass die Wirkung erst nach zwei bis vier Wochen einsetzt.

Die Therapie der Varikosis orientiert sich am klinischen Bild und dem Ergebnis der Duplexsonographie. Für die interventionelle Therapie stehen heute neben der Chirurgie (Crossektomie, Stripping, Phlebektomie) auch die chemische Ablation in Form einer Sklerotherapie und die endovenöse Katheterablation zur Verfügung. Letzteres kann thermisch mit Laser oder Radiofrequenzapplikation, mechano-chemisch mit Clarivein oder mit einem Venenkleber (Venaseal) erfolgen. Die Wahl des Verfahrens ist abhängig von der Größe und Lage der Krampfadern.

Vergleichende Untersuchungen haben gezeigt, dass die thermische Ablation und die chirurgische Therapie bzgl. primärem und Langzeiterfolg durchaus vergleichbar sind, aber das endovenöse Verfahren sehr viel komplikationsärmer ist, d.h. Wundinfektionen traten um 70 Prozent seltener, Hämatome um 50 – 60 Prozent seltener auf und die Patienten konnten drei bis fünf Tage früher ihre normale Aktivität wieder aufnehmen.

Quelle: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA), 7.-10.9.2016 in Dresden

(P. Stiefelhagen)

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