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Warum steigt das Honorar nicht in allen KVen gleich?

Der Orientierungspunktwert (OPW) im EBM steigt ab 1. Januar 2017 auf 10,53 Cent. Das ist ein Umsatzplus von 0,9 Prozent, das sich bei allen Vertragsärzten auswirkt, da sich die Bewertungen der einzelnen EBM-Leistungen entsprechend erhöhen. Ein Hausbesuch ist ab 2017 dann 22,31 Euro wert, wobei eine solche Steigerung nur dann beim einzelnen Arzt ankommt, wenn die betreffende Leistung nicht budgetiert gezahlt wird.

Wie hoch das jeweilige Budget – die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) – in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ausfällt, hängt von zwei regionalen Faktoren ab: der Entwicklung der Morbidität (Morbi) und der Demografie (Demo). Dies ist 2017 sehr unterschiedlich (s. Tab).

Kommentar

In diesem Zusammenhang tauchte die Frage auf: Welche Rolle spielen bei der in der Tabelle gezeigten unterschiedlichen regionalen Morbiditätsentwicklung die Versorgungsstrukturverträge, die viele Kassen anbieten?

Über diese Verträge bekommt der Vertragsarzt ein Zusatzhonorar, wenn er ICD 10-Diagnosecodes bei seinen Patienten aus einer vorliegenden Tabelle angeben kann. Hier besteht deshalb ein Zusammenhang mit der Entwicklung der regionalen MGV. Denn die jährlich festgestellte regionale Morbiditätsentwicklung als Grundlage der Weiterentwicklung der MGV hängt davon ab, ob bei der Behandlung der Patienten die korrekten ICD 10-Codes verwendet wurden.

Dies ist bei den erwähnten Versorgungsstrukturverträgen aber allenfalls ein „Abfallprodukt“. Denn von dem dort honorierten Rightcoding profitieren in erster Linie die Kassen, da von den ICD 10-Codes abhängt, wie viel Geld der Kasse aus dem Risikostrukturausgleich (RSA) zufließt. Die Teilnahme an solchen Verträgen sollte man daher unter dem Aspekt sehen, dass die dort gewünschte Kodiertiefe tatsächlich der individuellen Morbidität des Patienten entspricht.

Aber selbst, wenn diese Selbstverständlichkeit erfüllt ist, darf man nicht vergessen, dass man als Vertragsarzt hier für ein „Linsengericht“ den Kassen hohe finanzielle RSA-Zuweisungen verschafft, die nicht zwangsläufig dort, wo die Morbiditätsentwicklung stattfindet – nämlich in unseren Praxen – auch ankommen.

(G. Zimmermann)

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