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Von der DreigroschenOper zu ACDC

Die KBV versteht unter Versorgungspolitik seit langem die Versorgung privilegierter Arztgruppen. Mit ihrer Dreigroschen-Vergütung für den Medikamentenplan und dem Angriff auf die hausärztliche Versorgung alter Patienten setzt sie ein weiteres Glanzlicht.

Symbolpolitik ist gelebte Problemlösungsverweigerung von Symbolpolitikerinnen und Symbolpolitikern. Gründe dieser Leistungsverweigerung sind Unvermögen, Unwillen und/oder sorgfältig verhüllte Interessen.

Symbole sprechen verborgene und verdrängte Gefühle an – direkt, ohne Umweg über den Verstand. Erfolgreiche Symbolpolitiker sind daher gute Psychologen und Kenner der menschlichen Seele. Pure Ortskenntnis im Maschinenraum der Macht und in den Tresoren der Banken führt zum Scheitern.

Frauen schreibt man besonderes Gespür für Gefühle zu. Momentan demonstrieren allerdings gleich zwei Frauen das spektakuläre Scheitern dilettantischer Symbolpolitik.

Die eine begreift es bis heute nicht: Mit mundwinkelhängenden, in Endlosschleife repetierten Appellen zur Austerität als Bollwerk des deutschen Wohlstandes gegen die bedrohlichen Brandungswellen der globalisierten Wirtschaft hypnotisierte sie ihre Anhänger in den Bedrohtheits-Modus.

Das staatsstreichartige Dekret einer erratischen Immigrationspolitik bedrohte dieses imaginierte deutsche Reduit. Ruft man selber den Fallout jener bedrohlichen Globalisierung ins Land, verursacht der enthusiasmierte "Wir-schaffen-das"-Sprech ein Double Bind. Dieses macht das vorher aufwendig implantierte Bedrohtheits-Gefühl den Manipulierten unerträglich. Die parteipolitischen Folgen dieser gescheiterten Symbolpolitik werden derzeit vielstimmig beweint.

Die andere Berlinerin erhebt die Leistungen einer finanziell ausgebluteten Hausarztmedizin zum Ausdruck des Schönen, Wahren und Guten. Sie konditioniert eine dramatisch schrumpfende Schar von Hausärzten mit behaupteter Wertschätzung und gesinnungsethisch verstärktem Drängeln, den hausärztlichen Sicherstellungsauftrag der KBV unter untragbaren Bedingungen täglich neu zu retten.

Denselben Hausärzten schlägt sie jetzt ins Gesicht und bescheinigt ihnen untragbare Defizite in einer Kernkompetenz: Der Versorgung alter und multimorbider Patienten. Diese müsse einer kompetenten, besser vergüteten "Speziellen Geriatrischen Versorgung" SGV übertragen werden. Mit dem Geld der jetzigen Leistungsträger. Beitragssatzstabilität hat Priorität!

Die pseudowissenschaftlich "evidenzbasierte, multimodale und multiprof- essionelle, autonomie-erhaltende Ganzheitstherapie" lässt die solcherart aufgewertete Industrie der Paramediziner prosperieren, indem sie den für die Verordnung zuständigen Rest-Hausarzt endgültig in den Regress-Ruin treibt.

Drei Groschen lobt Sie den umschmeichelten Hausärzten aus, für einen ganzen Monat Medikamentenplan-Verwaltung chronisch kranker Menschen! Diese unanständige Symbolvergütung verstößt gegen den gesetzlichen Mindestlohn, den menschlichen Verstand und ist ein Fall für die Antidiskriminierungsbeauftragte.

Bei derartiger KBV-Symbolpolitik legen Hausarzt-Kollegen ACDC auf und stimmen ein in den Hit: "I‘m on a Highway to Hell".

Dieser Highway hat eine Ausfahrt und eine Sackgasse: HZV und KBV.

(Dr. Udo Schulte)

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