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GOÄ, Akademie und mehr

Neben der Reform der Musterweiterbildungsordnung stehen beim 119. Deutschen Ärztetag in Hamburg vom 24. bis zum 27. Mai viele weitere spannende Themen auf der Tagesordnung.

Gebührenordnung für Ärzte

Eine novellierte Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wird wohl in der aktuellen Legislaturperiode nicht mehr realisiert. Dies hat zuletzt sogar Prof. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), eingeräumt. Mitte März hat die BÄK die GOÄ vorerst gestoppt – der Entwurf wurde nicht an das Bundesgesundheitsministerium weitergeleitet. Er enthielt erstmals Bewertungen, die ein Unternehmen im Auftrag der PKV erarbeitet hatte. Doch weder die Struktur noch die Bewertungen der Leistungen seien nachvollziehbar und damit „schlicht nicht akzeptabel“, hieß es als Begründung seitens der BÄK. Kurz danach trat der ärztliche Chefverhandler Dr. Theodor Windhorst von seiner Funktion zurück.

In der Vergangenheit hatte BÄK-Präsident Montgomery das Projekt als „Chefsache“ bezeichnet. Es ist daher mit kontroversen Diskussionen zu rechnen, insbesondere auch um die Rolle der BÄK-Spitze bei den Verhandlungen. Der Deutsche Hausärzteverband und viele andere Ärzteverbände hatten in der Vergangenheit die intransparente Verhandlungsführung der BÄK massiv kritisiert, unter anderem auf dem außerordentlichen Ärztetag im Februar in Berlin.

Die Forderungen der Hausärzte auf dem Deutschen Ärztetag werden weiter unverändert bleiben: „Die hausärztlichen Leistungen müssen angemessen abgebildet werden“, sagte Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt bei der Frühjahrstagung des Verbandes in Freiburg Mitte April. Dazu zähle, dass in Zukunft die Versorgung chronisch kranker und multimorbider Patienten vernünftig abgebildet wird. Dies könne nicht ausschließlich über Gesprächsziffern geschehen. Darüber hinaus müssen die Leistungen der speziell für die Hausarztpraxis fortgebildeten Versorgungsassistentinnen (VERAH®) adäquat honoriert werden.

„Außerdem warten wir immer noch auf die zugesagte Transparenz und die umfassende Einbindung der Berufsverbände“ in die GOÄ-Verhandlungen, so Weigeldt weiter. Auf der Tagung haben die Verbandsdelegierten sich ebenso dafür ausgesprochen, dass Hausärzte und Private Krankenversicherung (PKV) gemeinsame Verträge schließen können.

Akademie für Allgemeinmedizin

Auf dem letzten Ärztetag in Frankfurt am Main hatte der Deutsche Ärztetag der faktischen Abschaffung der Akademie für Allgemeinmedizin zugestimmt. Seitdem regt sich großer Widerstand unter den Hausärztinnen und Hausärzten. Gerade in Zeiten, in denen es eine breite Diskussion darüber gibt, wie der große Bedarf an Hausärzten gedeckt werden kann, erscheint es vollkommen unverständlich, dass die BÄK sich immer weiter ihrer Verantwortung für die Allgemeinmedizin entzieht.

Die BÄK hat nach der massiven Intervention des Verbandes zwar inzwischen ihre Bereitschaft signalisiert, die Akademie grundsätzlich weiterzuführen, es stellt sich jedoch die Frage, in welcher Form dies geschehen soll. Die Forderung ist klar: Die Akademie für Allgemeinmedizin muss als eigenständige Einrichtung innerhalb der BÄK bestehen bleiben.

Der Deutsche Hausärzteverband hat darüber hinaus in den vergangenen Monaten eine „AG Ärztekammer“ innerhalb des Verbandes ins Leben gerufen. So soll zukünftig besser gewährleistet werden, dass Kontakt und Austausch in die Landesärztekammern hinein sichergestellt ist. Der Verband hat angekündigt, dass die AG Ärztekammer im Zweifel die Arbeit der Akademie für Allgemeinmedizin weiterführen wird.

Hausärztin für den BÄK-Vorstand

Beim Ärztetag müssen die Delegierten zudem einen Vorstandsposten nachbesetzen. Grund ist, dass Dr. Ellen Lundershausen aus dem Vorstand der BÄK ausscheidet und Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen wird. Der Deutsche Hausärzteverband wird dafür die Fachärztin für Allgemeinmedizin Monika Buchalik unterstützen. Versierte Berufspolitikerin oder erfahrene Hausärztin? Monika Buchalik ist beides!

Sie ist Vize-Präsidentin der hessischen Landesärztekammer und seit 25 Jahren in der eigenen Hausarztpraxis in Maintal niedergelassen. Seit 1991 engagiert sie sich aktiv im Hausärzteverband und seit 2001 zusätzlich in der Ärztekammer. Berufspolitisch wie in der eigenen Praxis macht sie sich für den hausärztlichen Nachwuchs stark: In der akademischen Lehrpraxis bildet sie regelmäßig Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung aus und unterstützt den „KODEX ambulante Weiterbildung“ des Deutschen Hausärzteverbandes. Dieser soll für die angehenden Hausärzte eine qualitativ gute Weiterbildung und ein angemessenes Gehalt sichern (vgl. Der Hausarzt 2/2016).

Als Schwerpunktthemen werden die Delegierten beim Ärztetag dieses Jahr die Versorgung von Flüchtlingen sowie „Arzneimittelpreise zwischen Patientennutzen und marktwirtschaftlicher Unternehmenskultur“ diskutieren.

Lesen Sie auch: Reform: Keine Weiterbildung light!

(J. Dielmann-von Berg, Vincent Jörres)

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